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Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Die Gans lag da, tot auf dem Teller neben Rotkraut. Wir waren nach Nussdorf gefahren, zum Heurigen. Die Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. hatte seine Journalisten zum Martini-Essen eingeladen. Es fühlte sich an wie gratis, wir tranken mehr als sonst. Die Erinnerungen sind bruchstückhaft.

Schemenhaft taucht Klaus Nüchtern auf, der den Zeigefinger erhebt, weil Joseph Gepp ein Bier bestellt. Das sei ein Affront. Gegen den Wirt. Und gegen den guten Geschmack. Und da ist Gepp, der die braune Flasche an seine Lippen setzt und der Tischrunde mit lauten Schluckgeräuschen verdeutlicht, dass er die Kritik gelassen nimmt. Ich erinnere mich an Florian Holzer, wie er Nüchterns Rüge aufgreift und anhebt, die legistischen Unterschiede zwischen Buschenschank, Heurigem und Restaurant herauszuarbeiten. Und schließlich an Barbara Tóth, die die Gunst der Stunde erkennt und ihren Sitznachbarn -den Gastrokritiker Holzer - um eine Weinempfehlung bittet.

Es waren die klassischen journalistischen Tugenden, die sich hier am Wirtshaustisch offenbarten. Die Nüchtern'sche Kritikfähigkeit. Die Gepp'sche Stressresistenz. Die Holzer'sche Expertise. Die Tóth'sche Gabe, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen.

Aber was einen guten von einem außergewöhnlichen Journalisten unterscheidet, ist dieses seltene Talent: eine Art journalistischer sechster Sinn, der einen spüren lässt, wann das Buffet eröffnet wird. Diese Gabe ist allein Ingrid Brodnig gegeben. Sie kam zuletzt und schaufelte als Erste auf den Teller.


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