Schwerarbeit am Tagtraum

Die Kunsthalle Krems würdigt das Werk von Dominik Steiger, dem leisesten der Wiener Avantgardisten

Feuilleton | Rundschau: Matthias Dusini | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Der Partyschreck kam aus Wien. Niederländische Autoren hatten sich im Jahr 1967 während der Frankfurter Buchmesse zu einer Lesung eingefunden, als der Künstler Dominik Steiger mit seiner berüchtigten Wiener Clique auftauchte. Zuerst fraßen sie das Buffet leer, dann unterbrachen die stockbesoffenen Eindringlinge die Kollegen, um eigene Texte vorzulesen.

Die Holländer stürzten sich auf Steiger, der in ein benachbartes Atelier flüchtete und seinen Verfolgern einen Farbeimer entgegenschüttete. "Frag mal die Leute nach diesem Fest, und du wirst sehen, sie bekommen ein Leuchten in den Augen", erinnert sich der deutsche Verleger Jörg Schröder (März Verlag) in seinen Memoiren.

Die Kunsthalle Krems zeigt in einer bemerkenswerten Ausstellung den Anfang des Jahres verstorbenen Dominik Steiger (1940-2014) als romantischen Universalkünstler, der experimentelle Dichtung mit gestischer Malerei verknüpfte, musikalisch improvisierte und aktionistisch agitierte. Es war die Zeit, als sich die


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