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Erinnerungen an die 1980er und Fotos aus den 1970ern

Feuilleton | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Die in den 1970ern Geborenen kommen in die Jahre und halten ihre Erinnerungen fest. Auch für den Nachwuchs, der sich vermutlich nur schwer vorstellen kann, wie das war: eine Kindheit ohne Gore-Tex, Handys und die Idee des Shopping. Die Presse-Redakteure Friederike Leibl-Bürger und Florian Asamer, aufgewachsen im Osten und Westen Österreichs, addieren ihre Erfahrungen und präsentieren sie nach Jahreszeiten geordnet, vom winterbeherrschenden Volkssport Skifahren über den Urlaub an der Adria bis zum Weltspartag.

Auf diese Weise entsteht ein Zeitund Sittenbild der Wirtschaftswunderjahre, in denen der "Fortschritt" den Ton angab und Kindheit noch nach klaren Regeln ablief, amüsant und harmlos - bis Mitte der 1980er mitten in das pubertäre Erwachen die Katastrophen von Tschernobyl und Aids, aber auch der Zeigefinger der Political Correctness sich erheben und der Idylle ein Ende bereiten. KB

Francesca Woodman begann bereits mit 13 Jahren zu fotografieren. Ihr bevorzugtes Objekt war sie selbst. Sie zeigte sich nackt in verfallenden Häusern, versteckt hinter abgerissenen Tapeten, mit Wäscheklammern am ganzen Körper oder mit Farbe beschmiert, zumeist in Schwarzweiß. 1958 in Denver in eine italienaffine Künstlerfamilie geboren, lebte sie selbst lange in Italien und stellte schon früh aus. 1981, mit nur 22 Jahren, beging Woodman Suizid. Sie hinterließ ein erstaunlich reifes Werk, das bis heute nichts an Faszination verloren hat.

Im Frühjahr waren ihre Werke aus der Sammlung Verbund (mit 79 Fotografien der größte Bestand neben dem Nachlass in New York) in Wien zu sehen. Wer die Ausstellung verpasst hat, ist mit dem Bildband bestens bedient, der von sechs Essays flankiert wird - von kulturwissenschaftlichen Einordnungen bis zu persönlichen Erinnerungen von Woodmans Freundin Betsy Berne. KB


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