Film Neu im Kino

Die gequälten Kinder der Revolution

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Zweimal überstand Katniss Everdeen die "Hungerspiele": In einem dystopischen Amerika, auf dessen Trümmern die Nation Panem entstand, herrscht das Kapitol über zwölf Distrikte. Jährlich müssen jugendliche "Tribute" aus jedem Distrikt in einer Gladiatorenarena auf Leben und Tod kämpfen.

So die Ausgangssituation von Suzanne Collins Romantrilogie "Die Tribute von Panem". Mit Francis Lawrences "Die Tribute von Panem - Mockingjay", kommt nun die erste Hälfte des als Zweiteiler verfilmten dritten Buchs in die Kinos. Katniss findet sich in der Obhut der Rebellen in einem Bunker wieder. Die Macht des Kapitols bröckelt, in ganz Panem formiert sich Widerstand. Präsident Snow schlägt zurück -Katniss' Heimat wird zerstört. Und Snow hat ihren Freund Peeta in seiner Gewalt.

Angeleitet von Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) soll Katniss das Gesicht der Rebellion werden. Mit dieser Ebene setzt die Filmreihe ihre Medienreflexion fort: Nach der karikierten Unterhaltungsindustrie wird Katniss nun in Propagandavideos "eingesetzt".

Der von Gegensätzen geprägten Welt der Diktatur folgt das streng organisierte Leben im Bunker, den Hungerspielen das Aufflackern der Revolution. Die Action der Arena ersetzen einige konstruierte Spannungsmomente, grundsätzlich wirkt Teil drei jedoch wie eine (zum Geldverdienen geschaffene) Verschnaufpause. Nichtsdestotrotz füllt die großartige Jennifer Lawrence ihre Katniss wieder mit Individualität und vielschichtiger Emotion. Eine bereits in "Catching Fire" aufgebaute Düsternis breitet sich aus: Ob die psychischen Wunden der gequälten Kinder von Panem jemals wieder heilen, ist fraglich. Die Collins-Verfilmungen bleiben die sehenswerteste unter den boomenden Teenager-Dystopien.

Ab Fr in den meisten Kinos (OF im Haydn)


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