Fragen Sie Frau Andrea

Asiatische Atemschutzmaskerade

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Liebe Frau Andrea,

in den letzten Tagen sind mir in Wien verstärkt Asiaten mit Einweg-Atemschutzmasken aufgefallen. Das Tragen von Masken dieser Art mag an der Zeit liegen - wir denken an die beginnende Grippezeit, an Ebola, an den Trend zu Gesichts-Schönheits-OPs, an Halloween und den bevorstehenden Faschingsbeginn. Ich glaube nicht, dass alle der von mir gesichteten Personen aus dem feinstaubbelasteten Peking kommen. Warum also gerade Asiaten mit Masken und warum in Wien? Ihre Weisheit ist gefragt! Bleiben Sie gesund!

Herzlichst, Martin Paul Dvorak

Lieber Martin,

Ihre Wünsche erreichen mich zu spät, ich habe seit Sommer an zwei Grippewellen teilgenommen und auch eine bakterielle Entzündung der oberen Atemwege hinter mich gebracht. Als Stadt der Faschings-vulgo Karnevalsmasken darf Venedig gelten. Dort können wir immer wieder das Modell einer Larve entdecken, die fälschlicherweise als Verkleidungsutensil zum Einsatz kommt: die Vogelmaske der Pestärzte. In deren spaßiger Renaissance verbinden sich alle von ihnen erwähnten Motive des Tragens eines Gesichtsschutzes, die Schönheitsoperation mal ausgenommen.

Die von Ihnen reportierten Sichtungen von Touristen aus Asien korrelieren mit der Beliebtheit Wiens als Reisedestination. Schutzmaskentragende Ostasiaten begegnen uns auch in Prag, Berlin, London oder Paris. Das Mem maskentragender tokiotischer U-Bahn-Passagiere oder jenes von Radfahrern in chinesischen Millionenstädten befördert die Idee vom gesichtsschutzbedürftigen Asiaten. Vorherrschend ist hier der Gedanke, die Maske schütze neben dem Angehustetwerden vor Smog und Feinstaub.

Warum also Masken in Wien, das dank vorherrschend starker Winde aus dem waldigen Westen als Weltstadt mit bester Luft gelten kann? Nun, Atemschutzmasken schützen nicht nur die Tragenden, sondern auch deren Umgebung. Hilfreich ist dabei das Bild der Chirurgen, deren Atemschutz sie vorrangig nicht vor den Keimen der Patienten, sondern ganz umgekehrt diese vor jenen der Operateure schützt. Japaner, Koreaner, Thailänder und Chinesen schützen einander vor Ansteckung, nicht sich. Im Lichte gesundheitspolitischer Solidarität ist dies ein schöner Gedanke.

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft


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