Ohren auf Jean-Philippe Rameau

Himmelhoch jauchzend und nie zu Tode betrübt

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Heuer begeht die Musikwelt den 250. Todestag von Jean-Philippe Rameau. Das Capriccio Stravagante Les 24 Violons und das Collegium Vocale Gent spielen auf "Rameau's Funeral" (Paradizo) Begräbnismusik, wie sie beim Trauergottesdienst zu Ehren Rameaus erklungen ist. Jean Gilles "Messe des Morts" wurde im Oratoire du Louvre in einer Bearbeitung des Komponistenduos François Rebel und François Francœur gespielt. Als Hommagen an Rameau wird dessen Musik immer wieder mit jener Gilles verwoben oder sein Stil zitiert. Ein heute wie damals ergreifendes Abschiednehmen vom größten französischen Komponisten des 18. Jahrhunderts.

Der frischgebackene Echo-Gewinner Teodor Currentzis ist ein Ausnahmemusiker, das stellt er auch mit dem neuen Album "The Sound of Light" (Sony) unter Beweis. Gemeinsam mit dem Ensemble MusicAeterna präsentiert er eine sehr persönliche Hommage an Rameau und bedient sich dabei aus den lyrischen, heroischen und tragischen Opern und Balletten des Komponisten. "Wie kann man Menschen, die nie den Kuss der Sonne gespürt haben, das Licht erklären? Ich würde ihnen Musik von Rameau vorspielen", schreibt Currentzis im Booklet. Rameau hatte aber auch eine wilde, dunkle und bedrohlich Seite. Currentzis rauscht durch diese opulenten Klangwelten und erweist sich einmal mehr als ungemein beredter Geschichtenerzähler.

Einen Bogen zur Moderne spannt die Pianistin Cathy Krier auf "Rameau, Ligeti" (Avi). Französischer Barock und ungarische Avantgarde - funktioniert das überhaupt? Kriers Antwort lautet "Ja". Sowohl Rameaus "Pièces de Clavecin" als auch Ligetis "Musica Ricercata" verbindet die Lust am Spiel mit den Noten, das streng Intellektuelle und radikal Neue ihrer Musik. Krier gestaltet mit ihrem glasklaren und zugleich gefühlvollen Spiel wunderbare Dialoge zweier Komponisten, die einander näher sind, als man denkt.


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