Mittwochs kocht Mama

Die Bucklige Welt bekam eine kulinarische Niederlassung in Wien

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014


Foto. Heribert Corn

Foto. Heribert Corn

Alle Achtung, Lerchenfelder Straße, das hätte man sich noch vor zwei Jahren nicht gedacht: grau und abgefuckt, nicht mehr wirklich Siebenter, aber auch noch nicht so richtig Achter, Grenzland, ungewollt. Und damit offenbar fruchtbarer Boden für Entwicklungen, wie sie in stabileren Grätzeln nur sehr viel langsamer passieren: der wunderbare Bio-Markt vor der Kirche, daneben das – so behaupten Auskenner – beste Würstelstandl der Stadt (okay, das gibt’s schon länger), das Mittagstisch auf Nummer 94, das Shirt-Café Passt Gut auf 95, das Café Fräulein’s auf 69 und nicht zuletzt das neue Felzl-Hauptquartier auf 101.

Nein, das soll jetzt keine Grätzel-Kurzberichterstattung sein, sondern nur zeigen, in welchem Umfeld Gregor Panis da vor ein paar Wochen sein – ja, schon wieder – winziges Lokal aufmachte.

Bis vor kurzem war der Hotelfachschulabsolvent noch in einer PR-Agentur tätig, aber das hat ihn dann so wahnsinnig gelangweilt, sagt er. Und weil sein Vater vor drei Jahren starb und es dessen sehnlicher Wunsch war, in der Pension ein kleines Lokal aufzumachen, nahm Gregor Panis diesen Ball einfach auf.

Das Lokal, das er Zum Johann nannte, war bis dahin ein kleiner italienischer Feinkostladen, der schlauchartige Raum ließ dem Neo-Gastronomen zwar nicht sehr viele Möglichkeiten, die nützte er auf geschmackvolle Art und Weise aber recht gut. Zwei Pulttische, ein paar Regale, eine kleine Vitrine, sehr gutes Licht. Und ganz wichtig: kein Kitsch.

Der sich ja durchaus angeboten hätte, schließlich geht es beim Zum Johann ja um Spezialitäten aus der Buckligen Welt, einer Region, die eigentlich nicht weit weg ist, die aber trotzdem kaum wer kennt – eine Situation, die normalerweise gern mit Postkartenfotos, Schindeln und Wurzelwerk gelöst wird. Bei Gregor
Panis nicht, da erledigt das ein Bier vom „Garagen-Brauer“ Gerald Schwarz in Krumbach, eine Brettljause mit Blutwurst, Hauswurst, Rauchschinken, extrem gutem Speck und einem Ziegenkäsebällchen von bäuerlichen Betrieben aus der Buckligen Welt mit selbstgemachten, sehr guten Chutneys (€ 7,–/13,–). Nicht zu vergessen ein süßer Grammelstrudel, für den eine Bäuerin Grammeln fein mahlt, mit Mehl mischt und daraus einen Kuchen mit Powidl-Topping bäckt. Sagenhaft arg gut.

Mittags macht Panis auch Currys, Pasta und Quiches, die sind okay, wirklich interessant wird’s aber am Mittwoch, denn da bekommt er immer Besuch von der Mutter aus Wiesmath, und die kocht da dann das Echte. Für den Donnerstag zum Glück auch gleich. Reisfleisch, Faschierter Braten, Fleischknödel mit Quittenkraut, Gulasch oder Semmelknödel mit Specklinsen. Richtiges Essen halt. Das Grätzel jubelt, weiß Gregor Panis, die Leute vom Parkettgeschäft gegenüber und Frau Eber mit dem Pauli kommen jeden Tag her.

Resümee:

Ein winzig kleines Lokal mit Spezialitäten aus dem niederösterreichischen Südosten. Und einer Mutter, die kochen kann.

Zum Johann
8., Lerchenfelder Str. 104
Mo 17–22, Di–Fr 11.30–22 Uhr
www.zumjohann.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige