Kunst Tipp

Bewegte Fotografien, klassische Schönheiten

Lexikon | NS | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Eines ist nach dem Besuch der aktuellen Fotoausstellung im Kunst Haus Wien gewiss: Lillian Bassman und Paul Himmel waren ein sympathisches und auch im Alter noch cooles Künstlerpaar, das zeitlebens Experimentierfreude an den Tag legte. Ihre beiden jetzt präsentierten Œuvres sind aber Geschmackssache. Die Schau setzt mit Himmels Aufnahmen von New Yorker Häusern aus den späten 40er-Jahren ein, wo Kinder auf Feuertreppen spielen oder Schnee fällt. Seine urbanen Ansichten erinnern an die Magnum-Fotografen jener Zeit. Himmel hatte es besonders die Darstellung von Bewegung angetan. So richtete er seine Kamera auf das Getümmel in Grand Central Station und fing die Pendler in Langzeitaufnahmen als Vorbeihuschende ein. Leider hängen gegenüber nicht Bassmans zeitgleich entstandene Modefotos, sondern nur die digitalen Überarbeitungen, die sie viel später an ihren für Harper's Bazaar entstandenen Bildern vorgenommen hat. Schwanenhals, langgliedrige Figur und klassisched Profil: Für diesen Frauentypus begeisterte sich die Fotografin, die ihre Aufnahmen in der Dunkelkammer mit Pinsel und Schwämmen bearbeitete. Bassman abstrahierte die Bilder teilweise so stark, dass sie an Modezeichnungen erinnern. Die Fotobearbeitung hatte für die 2012 verstorbene Künstlerin einen malereigleichen Charakter. Ihre späteren Veränderungen mit Photoshop machen die grafisch anmutenden Modeaufnahmen aber leider selten interessanter.

Als Himmels Hauptwerk werden die Bewegungsstudien präsentiert, die er in den 50er-Jahren von Tänzern des New York City Ballet machte. Er widmete sich mit Fotoeffekten wie Solarisationen auch Sujets wie Pflanzen oder auch Campbell's-Suppendosen. Mit ihrem Schönheitsideal blieben die Fotografen jedoch der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verhaftet.

Kunsthaus Wien, bis 8.2.


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