Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Wiens Genossen ärgern sich über ein einfaches Parteimitglied

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Reinhard Fellner ist ein umtriebiger Mann. Er kämpft gegen den angeblich wachsenden Einfluss der Muslimbruderschaft und von Mili-Görus-Leuten in seiner Partei, der SPÖ. Er polemisiert auch immer wieder gegen Apparatschiks und Vereinsmeierei ebendort. Vor allem aber versteht er es, via Facebook mächtig Aufmerksamkeit zu generieren.

Dafür hat er die Initiative "Soziales Österreich" auf Facebook gegründet. Als deren Obmann schaffte er es auch schon in die Kronen Zeitung und drohte vor kurzem mit einer Spaltung der Wiener SPÖ. 8000 Mitglieder stünden hinter ihm, darunter auch prominentere rote Funktionäre auf allen Ebenen, behauptete er dort. Kurzum: Herr Fellner ist ein höchst unbequemes, einfaches Parteimitglied.

Wer sich die Facebook-Seite der Initiative Soziales Österreich genauer anschaut, stellt jedoch fest, dass viele der fast 9000 Gruppenmitglieder nicht freiwillig beigetreten sind, sondern von Fellner und seiner Mitkämpferin Maria Deutsch hinzugefügt wurden.

Das geht auf Facebook relativ einfach. Sobald man befreundet ist, kann man sich gegenseitig zu Gruppen einladen. Prominente oder gut vernetzte Personen, die mehr als tausend Freunde haben, verlieren schnell den Überblick oder kontrollieren ihre Accounts nicht genau genug. Nachdem sich Beschwerden über Fellners Facebook-Parteiarbeit in eigener Sache häuften, ist er als Administrator von "Soziales Österreich" inzwischen nicht mehr aktiv.

Dafür hat er eine neue Facebook-Gruppe gegründet, sie heißt der ersten zum Verwechseln ähnlich ("Soziales Österreich: sozialdemokratisch & humanistisch") und hat bereits 5000 Mitglieder. Auch hier werden gezielt vor allem SPÖ-Funktionäre zur Gruppe hinzugefügt, um eine breite Verankerung in der Partei zu signalisieren.

In der Wiener SPÖ, die sich schon im Wahlkampfmodus befindet, will man Fellners Treiben nicht mehr lange zuschauen. "Wir überlegen ein Parteiausschlussverfahren", kündigt ein führender Wahlkampfstratege an.


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