Der Chef ist tot - es lebe die Arbeit

In der Doku "Kick Out Your Boss" zeigt Elisabeth Scharang Betriebe ohne Hierarchie - und übersieht deren Ausbeutungslogik

Feuilleton | Filmkritik: Ramón Reichert | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Der Film "Kick Out Your Boss" porträtiert drei Unternehmen, in denen flache Hierarchien und betriebliche Mitbestimmung verwirklicht wurden. Als Stellvertreter einer Vision von einem alternativen Arbeitsleben hat die Wiener Regisseurin Elisabeth Scharang das brasilianische Industrieunternehmen Semco, die serbische Pharmafirma Jugoremedija und die Grazer Designagentur En Garde ausgewählt. Die porträtierten Betriebsmodelle stehen für Gleichberechtigung, Beteiligung und Kooperation.

So weit, so gut. Die Betriebe stehen aber auch für Marktorientierung und betriebliche Effektivität. Mit den alternativen Arbeitsformen wird die Kapitalwirtschaft nicht abgeschafft, sondern bloß in die Herzen der Mitarbeiter verlagert. In den flachen Hierarchien herrschen die neuen kreativen Imperative.

Die coolen Macher der Designagentur En Garde geben keine Anweisungen mehr, sondern sorgen sich nur noch um das Wohlfühlklima. In diesem Wellness-Regime ist jeder für das Unternehmen verantwortlich, ein Selbstunternehmer


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