Mi casa es tu casa?

Viele Menschen in der Steiermark wären bereit, Flüchtlinge bei sich zu Hause aufzunehmen. Das ist derzeit gar nicht so einfach. Schätzt das Land humanitäres Engagement zu wenig?

Steiermark | Herbergssuche: Tiz Schaffer | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014


Illustration: Bianca Tschaikner

Illustration: Bianca Tschaikner

Ein Einfamilienhaus im Grazer Bezirk Waltendorf – attraktive Wohngegend, wunderbare Hanglage. Die Wohnung mit Küche und Bad im Untergeschoß des Hauses hat direkten Zugang zum Garten. Früher lebte die Schwiegermutter von Christina K.* dort, heute würde Frau K. die Wohnung gerne an eine Flüchtlingsfamilie vermieten. „Für mich eine Chance, mich einer fremden Kultur zu öffnen. Gleichzeitig könnte ich ‚den Fremden‘ österreichische  Lebensgewohnheiten näherbringen und sie unterstützen, sich in ihrem neuen Umfeld zu integrieren“, erklärt sie. Schon in der Bosnienkrise in den 90er-Jahren war eine junge Frau für drei Jahre bei Familie K. untergebracht. Seit die Kinder aus dem Haus sind, leben die pensionierte Lehrerin und ihr Mann allein. Man darf davon ausgehen, dass sich eine kriegsvertriebene Familie über eine Unterkunft wie diese sehr freuen würde.

Auf den ersten Blick ist die Überlegung reizvoll: Engagierte Bürger, die über genügend Wohnraum verfügen, nehmen Asylwerber bei sich auf, begleiten sie ein Stück des Weges und setzen ein humanitäres Zeichen. Doch so einfach ist das nicht. Im Oktober hat Christina K. beim Landesflüchtlingsreferat einen Antrag gestellt. Das Referat ist der Dreh- und Angelpunkt für Flüchtlingsangelegenheiten, es kümmert sich um die Begutachtung von Quartieren und die Unterbringung von Flüchtlingen. Beinahe zwei Monate und viele Telefonate später hat Frau K. niemanden, der einziehen könnte. Vom Referat hörte sie immer wieder, man sei um ihren Fall bemüht, aber sie müsse sich gedulden. Sie versteht es nicht. Täglich sei zu lesen, dass Plätze für Flüchtlinge benötigt würden. Zuletzt haben die Landeschefs einmal mehr versichert, bei der Aufnahme von Flüchtlingen bis Ende Jänner nun aber wirklich ihre Quoten zu erfüllen. Nach aktuellem Stand müsste die Steiermark rund 4200 Menschen beherbergen, derzeit sind es aber nur etwa 4000. Im Land ist man stolz darauf, die Quote nun zu 95 Prozent zu erfüllen. Dennoch fehlen 200 Plätze.


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