Kommentar Bundesliga

Ist Peter Westenthaler Opfer einer formalistischen Justiz?

Falter & Meinung | Johann Skocek | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Die Justiz, sagt man, sei eine Dame, und sie sei blind. Manchmal erscheint sie als Leuchtturm. Im laufenden Prozess gegen den ehemaligen Vorstand der Bundesliga, Peter Westenthaler, und seinen damaligen Kollegen, Thomas K., erhellt ihr Scheinwerfer einen kleinen Streifen Finsternis.

Richter Wolfgang Etl verhandelt die Frage, ob Westenthaler und K. anno 2004 eine Förderung von einer Million Euro für Fußballnachwuchs missbräuchlich zur Abdeckung einer Schuld gegenüber der Republik verwendet haben.

Die Fördermillion wurde in der Bundesliga-Bilanz des Geschäftsjahres 2003/2004 als Ausgleich für die Schulden verbucht. Oberstaatsanwältin Barbara Schreiber bezeichnet das als Betrug. Westenthaler und K. haben die Bilanz aber nicht erstellt, sondern ihre Nachfolger. Die Liga-Gremien und Liga-Präsident Frank Stronach wussten, dass die Förderung immer so "gemeint" war, und haben die Bilanz abgenickt. So steht's in den Liga-Protokollen, so sagten sie vor Gericht aus. Ohne die Förderung hätten die Klubs auch beim Nachwuchs sparen müssen.

Der Vorwurf der Oberstaatsanwältin ist "formal" berechtigt. Aber er geht möglicherweise an die falschen Adressaten. Oder nicht an alle Adressaten. Als Westenthaler und K. im August die Liga verlassen mussten, war die Hälfte der Förderung noch nicht einmal eingetroffen. Wen könnten sie also geschädigt haben? Die Klubs, die die Verwendung der Förderung und die Bilanz genehmigten?

Westenthaler war ein sauschlechter Vorstand. Warum der Justizscheinwerfer aber in dieser Sache ausgerechnet ihn aus der großen Finsternis der Bundesliga herausbeamt, wird das Geheimnis des Leuchtturms bleiben.


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