Tiere

Schoßtiere

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014


Anderen Menschen erklärt man seine Liebe mit Worten. Tiere hingegen streicheln wir liebevoll. Der niederländische Schriftsteller Rudy Kousbroek erstellte dazu eine Liste, in der er Tiere nach ihrer Streichelbarkeit einteilte. Ganz unten finden sich jene Lebewesen, die man aufgrund ihres Körpers (Quallen, Austern) oder ihres Charakters (Piranhas, Zitteraale) nicht liebkosen kann. Darauf folgen Arten, bei denen jedwede Streichelei keine angenehme Empfindung auslöst (Igel, Schildkröten). Dann kommen Vögel und diverse behaarte Haustiere. Am Ende obsiegt die Katze als streichelbarstes Lebewesen. Haare spielen bei unseren Vorlieben offenbar eine wesentliche Rolle, obwohl die süßen, wuscheligen Vogelspinnen dann doch wieder nicht so gut ankommen.

Manchmal gewinnt den hormonellen Wettkampf Testosteron und verdrängt die von Oxytocin begleitete Kuscheligkeit. Der Psychiater Magnus Hirschfeld berichtete, dass einer seiner Patienten „sehr darunter litt, dass er durch die enormen Hinterteile von Brauereipferden sexuell erregt wurde. Wenn er sie sah, hatte er eine Erektion und manchmal sogar einen Samenerguss. Das Schöne an seinem Fall ist, dass dementsprechend stattliche Frauen sein weibliches Ideal darstellten und es ihm außergewöhnliche Freude bereitete, seine Frau mit ihren Jahren immer dicker werden zu sehen.“ Na ja, Brauereipferde liegen als Objekte erotischer Begierde nicht mehr so im Trend.

Die FPÖ-Nationalratsabgeordnete Susanne Winter sieht da andere, garstige Tendenzen. Bereits 2007 meinte sie in einem Falter-Interview: „Es gibt in muslimischen Ländern Tierbordelle, und wir bringen den Beweis. Die Aussendung (Anm.: als Sofortmaßnahme gegen muslimisch-türkische Vergewaltigungen eine Schafherde im Grazer Stadtpark grasen zu lassen) war als Anregung gedacht, und es haben sehr viele darüber gelacht und das als witzig empfunden.“

Ein Gericht teilte weder diesen Humor, noch musste es darüber lachen, sondern verurteilte ihren Sohn, als Initiator dieser Idee zu drei Monaten bedingter Haft.

Jetzt wiederum will Frau Winter in einer parlamentarischen Anfrage von der Innenministerin wissen: „Wie viele Verurteilungen aus dem laufenden Kalenderjahr betreffen geschlechtliche Handlungen an oder mit Tieren?“. Soll jetzt überprüft werden, wie viele Menschen ihrer „witzigen Anregung“ gefolgt sind?


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