Stadtrand Urbanismuskolumne

Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Adventszeit also. Die Supermärkte haben schon Anfang September Schokonikoläuse und Co in die Regale gestellt. Dass der Vorweihnachtswahnsinn mit jedem Jahr näher an den Spätsommerurlaub heranrückt, nehmen wir resigniert kopfschüttelnd wahr. Christkindlmärkte und Punschhütten verstellen nun selbst die entlegensten Winkel der Stadt. In den Schaufenstern rieselt leise der Kunstschnee und den Shoppingwütigen leuchten üppige Lichterketten den Weg. Zählt man nicht zu den Hardcore-Advent-Aficionados, die sich das ganze Jahr über auf den After-Work-Glühwein freuen, gibt es zu dieser Jahreszeit nur einen sicheren Ort: die eigenen vier Wände. Wohnt man im Gemeindebau, hat man die Rechnung allerdings ohne die Nachbarn gemacht. Die nämlich versuchen sich gegenseitig mit LED-Feuerwerken zu übertrumpfen. Der ganze Block strahlt allabendlich wie ein quietschbuntes Fußballstadion, und zieht man dann endlich die Schlafmaske über die geschundenen Augen, begleitet einen ein Chor metallischer "Hohohos" diverser Elektroweihnachtsmänner in unruhige Träume.


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