Die heurige Ausgabe der "photo graz": "Die Szene, wie sie eigentlich ist"

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Seit 175 Jahren gibt es die Fotografie. Entsprechend viele unterschiedliche Umgangsformen hat das Medium im Laufe seiner Geschichte provoziert. Vom dokumentarischen Wert, den das auf Realismus getrimmte Abbildungsverfahren mit sich bringt, bis hin zur soliden Bildhaftigkeit seiner Produkte: die Fotografie eröffnet eine große Bandbreite an Nutzeffekten. Dass sie allesamt bis heute virulent geblieben sind, liegt wohl auch an den inzwischen eher leichtfüßig überwindbaren technischen Zugangsschranken.

Kaum ein Ausstellungsformat bildet die fotografische Simplizität und Egalität besser ab als "photo graz", die von Gerhard Gross entwickelte und von der Kulturvermittlung Steiermark biennal abgewickelte Momentaufnahme der aktuellen steirischen Fotoszene. Die heurige Ausgabe findet in der Papierfabrik statt, kommt wie üblich ohne Überthema oder Expertenjury aus. Nur wenige der über 200 Einreichungen haben die weitmaschig siebenden Kriterien nicht passiert.

Akte, Naturaufnahmen, Kalenderbilder oder Schnappschüsse waren nicht gefragt. Ein kurzer Text sollte das Konzept der jeweiligen Arbeit erläutern. Schließlich hatte man "eine Fotografie, die über das reine Abbilden hinausgeht" im Sinn, wie Gross erläutert. Denkbar breit gestreut sind die kompakt gehängten und katalogisierten Arbeiten: inhaltlich, qualitativ, nach den Altersgruppen ihrer Erzeuger. Außerdem haben sich in diesem Jahr auffallend viele Exilsteirer und ältere Semester beteiligt. Für Gross zeigt sich so "die Szene, wie sie eigentlich ist". Auch dieser Anspruch ist ein zutiefst fotografischer. Runder geht's also nicht.

Kunstfreiraum Papierfabrik, Graz, bis 13.12.


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