Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Da geht die Hutschnur hoch

Steiermark | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Die Zeitung Grazer Woche lädt regelmäßig halbprominente Menschen ein, auf ihren Seiten Vorschläge zur Verbesserung des Stadtlebens auszubreiten. Nicht selten fällt das ein wenig ärgerlich aus, aber gut, das gehört dazu. Aktuell aber ging einem die Hutschnur hoch. Der Juwelier Klaus Weikhard fordert: "Kostenlose Parkplätze in der Grazer Innenstadt".

Stadtplanerische Ideen, die rein wirtschaftlichen Privatinteressen geschuldet sind, haben selten Gemeinwohlqualitäten. Natürlich erhofft sich Weikhard durch diese Maßnahme, dass der Handel angekurbelt wird. Abgesehen davon, dass es fraglich ist, ob diese einfache Rechnung aufgeht - wollen wir tatsächlich noch darüber diskutieren, wie man dem Individualverkehr in der Inneren Stadt entgegenkommen könnte? Weikhard will. Generell braucht es, meint er, mehr und günstigere Autoabstellflächen. Was auch immer eine Innenstadt braucht: das sicher nicht! Menschen und Autos vertragen sich nicht.

Bürgermeister Siegfried Nagl, der gleich dazu befragt wurde, konnte den Gratisparkplätzen nichts abgewinnen. Aber er hatte ein anderes Schmankerl parat: "Auch die Innenstadt muss funktionieren wie ein Einkaufszentrum." Hilfe! Wenn man gerne ein lebenswertes Stadtzentrum hätte, dann müsste man sprechen über: leistbares innerstädtisches Wohnen, Terrains mit öffentlichen Nutzungsqualitäten oder die Überregulierung des öffentlichen Raumes. Zudem über konsumfreie Zonen sowie über Freiräume überhaupt. Nicht zuletzt über die kulturelle Bespielung. Diesbezüglich würde man sich gerade vom Stadtoberhaupt Vorschläge zur Güte wünschen, die sich nicht immer nur um das Wohl der Kaufleute drehen.


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