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Neue Literatur aus Österreich

Feuilleton | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

"Man braucht oder zumindest ich brauche dreierlei, um schreiben zu können: Ich bin auf ein Gefühl angewiesen, muss eine passende Form dafür finden und benötige Ausdauer zur Ausführung." Xaver Bayer (Jg. 1977) ist eine schwer zu fassende Erscheinung. Als um 2000 erste Texte des Wieners erschienen, hielt man ihn für einen Popautor, später für einen Dandy. Mittlerweile kann man in ihm eine aus der Zeit gefallene Dichterexistenz erkennen.

"Aus dem Nebenzimmer" versammelt Texte aus Literaturzeitschriften, in denen er auf kleinem Raum seine Kunst demonstriert: winzige Erschütterungen im Alltag wahrzunehmen und in Sprache zu fassen, nach Momenten von Auflösung und Glück zu suchen -und gleichzeitig schon wieder die nächste Niederlage zu erwarten. In "Simulacrum" lässt der Erzähler einen HIV-Test machen; nachdem die Ärztin das Ergebnis mitgeteilt hat, sagt sie: "Aber Sie machen ja immer noch so ein ernstes Gesicht." SF

Der Chor stellt einen gesellschaftlichen Mikrokosmos dar. Im Chorus von Sabine M. Grubers Roman "Chorprobe" gibt es nicht nur den neurotischen und despotischen Chorleiter Wolfgang C. Hochreither, sondern auch seine Adlaten, den "inneren Kreis". In diesen Hexenkessel gerät Cindy, eine junge Angestellte einer Anwaltskanzlei, die bereit ist, ihre Freizeit und ihr Herzblut für das Singen zu opfern. Bei der Stange hält sie letztlich nur die Musikkunst des genialen Dirigenten Viktor von Weiden. Grubers Roman ist eine bösartige Studie über Macht und Unterwerfung mit einem leider ein wenig schablonenhaften Happy End.

Die Autorin war übrigens lange Mitglied im Arnold Schoenberg Chor und hat die Bände "Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten. Die Sprachbilderwelt von Nikolaus Harnoncourt" (2002) und "Ein Spaziergang durch Haydns Jahreszeiten. Mit Sprachbildern von Nikolaus Harnoncourt"(2009) herausgebracht. KB


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