Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Um mich soll's nach Erdbeer riechen

Katharina Seidler ist Musikjournalistin und Mitarbeiterin von FM4. Sie prüft die Beats und Partys der Wiener Clubszene

Lexikon | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Musik als Horizonterweiterung, Club als Paralleluniversum: Die Nacht im Keller der Weinbar Bolena im achten Bezirk, einem verspiegelten Partyraum mit einer Decke voll Discokugeln und kleinen Flaschenbieren an der Bar, wurde bei der N € TPARTY der Vienna Art Week zum Flug durchs Wurmloch. Der 19-jährige Londoner Felicita aus dem Umfeld des supergehypten Labels PC Music zerhackt die Gegenwart. Als wären seine avantgardistischen Trackminiaturen zwischen zuckerfarbenen Heliumstimmen, glitschigem K-Pop, 90er-Chartsbeats und Videospielsamples nicht schon ein Trip für sich, wurde die Tanzfläche auch noch in dichten rosa Nebel mit Erdbeergeruch gehüllt. Musik wie die Vertonung von Internet-Gifs und Nagellack. Hätte die Seifenblasenmaschine funktioniert, wäre man sich beim Blasenjagen endgültig vorgekommen wie Super Mario in einer Digitalwelt.

VORSCHAU DONNERSTAG (27.11.): Chancha Via Circuito schickt im Werk brasilianische Rhythmen durch futuristische Filter. Im Celeste übt sich Stefan Kushima unter seinem Alias Jung an Tagen in Sounddesign zwischen Synth-Pop-House und minimalistischer Improvisation. In der ehemaligen Postzentrale ist I-Wolf-Konzert, und die Grelle Forelle startet ihre neue Workshop-Reihe mit einer Gratiseinführung am Akai MPC Sampler, ab 18 Uhr.

FREITAG: Bruno Pronsato kommt mit einem Koffer voll herrlich verkopfter Technotracks in die Auslage, und das französische Duo Scratch Massive komplettiert das Paris-Special des Club Not Invited im Aux Gazelles mit Electro, Acid, House und dunklem Wave-Pop. Das Jessas im Exil macht im Boxcircus (2., Trabrennbahnstr. 2) seine erste richtige Party, Mieux spielen im Club Titanic mit post-steppigen Beatbrechungen und schillernden Melodien, und die reformierte Wiener New-Wave-Band Chuzpe steht mit ihrem aktuellen Album "Vor 100.000 Jahren" auf der Bühne der Grellen Forelle. Andy Butler von Hercules & Love Affair kümmert sich im Café Leopold um die Musik, Horrorfilm-und Soundtrackspezialist Vercetti Technicolor veredelt den zehnten Geburtstag des Club Hot Shit im Fluc, und das Wiener Dup Lamae, bestehend aus Laminat und Heap, gibt im Dual sein Livedebüt. Herrlich handgeschnitzten Maschinentechno serviert inzwischen DJ Pete in der Fluc Wanne.

SAMSTAG: Roman Rauch, Rainer Klang und viele andere kommen unter dem Motto "Underground House Vienna" im Celeste zusammen, und der Pariser Sample-Houser S3A feiert in der Grellen Forelle Österreich-Premiere.

seidler@falter.at


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