Mediaforschung Verführungskolumne

Wie kreative Karitative zu ihrem Spendengeld kommen

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Kein Monat mehr bis zum 24. Dezember. Zeit des Weihnachtsgeldes. Zeit der Intensivwerbung. Zeit des Konsums. Dass das Geld in diesen Tagen lockerer als sonst sitzt, wissen auch kreative Karitative.

Beispielgebend für eine originelle Spendenaktion ist die Ö3-Wundertüte, die sich heuer zum zehnten Mal jährt. Das Prinzip: Die Post verteilt österreichweit gratis Tüten mit Ö3-Logo. Österreicher können ihre alten Handys darin portofrei im Postkasten entsorgen. Die landen wiederum in einem Verwertungszentrum der Caritas, wo Langzeitarbeitslose die Handys aufarbeiten. Vom Verkauf an asiatische Großhändler fließen zwischen 50 Cent und drei Euro pro Handy an Caritas und Licht ins Dunkel. Eine Win-win-win-Situation: Ö3 bewirbt die Aktion auch redaktionell und verschafft sich dabei ein Spenderimage. Die Spendenorganisationen bekommen Geld. Und der Österreicher wird unkompliziert und mit gutem Gewissen seinen Technikmüll los.

Besonders ästhetisch ist hingegen die Kampagne der Diakonie. Die Agentur Identum rückte dafür die vielseitigen Gesichter von "Hoffnungsträgern" ins Blickfeld, Menschen, die von der Diakonie betreut werden, und jene, die für die Diakonie arbeiten. Die exzellenten Schwarzweißfotos sind mit berührenden Geschichten verbunden (zu finden unter http://bit.ly/dia_hoffnung). Nicht das Leid der Menschen steht im Vordergrund, sondern ihr Leben. Keine Stilisierung als Opfer, sondern eine als Mensch. Claim: "Hoffnung finden, wo andere schwarzsehen." Schön!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige