Nüchtern betrachtet

Der eigne Kirtag und der Spaß der andern

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 48/14 vom 26.11.2014

Wien macht es einem ja generell leicht, sich auf dem Kultursektor eine Gaudi zu organisieren, aber was derzeit im Kino geboten wird, ist schon unglaublich. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal ein halbes Dutzend aktueller Filme unbedingt habe sehen wollen. Leider muss man dann immer sehr schnell sein: Laufen die Filme erst im Saal C oder 5, kann man sich die genauso gut am Smartphone ansehen, es also gleich bleibenlassen.

Auf dem Lichtspielsektor wird man derzeit prächtigst bedient, hinsichtlich der eigenen Sozial- und Sexualgaudi hingegen haben es schöngeistige und schüchterne Existenzen schon etwas schwerer, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Der Verdacht, dass andere Völkerschaften mehr Spaß haben als man selbst, drängt sich auf, man darf ihm allerdings nicht erliegen, denn das führt mehr oder weniger direkt in den Totalitar- und noch ein paar andre unschöne Ismen, jedenfalls behauptet das dieser bärtige Slowene (falls ich den richtig verstanden habe).


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige