Tod im Keller

155 Menschen ließ die NS-Justiz zwischen 1943 und März 1945 im Keller des Landesgerichts Graz exekutieren. Der Umgang mit Tätern und Opfern war auch nach 1945 teils skandalös

Steiermark | Essay: Heimo Halbrainer | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Als die Witwe des am 12. Mai 1944 im Landesgericht Graz hingerichteten Judenburger Widerstandskämpfers Johann Freitag bei der Verwaltung des Zentralfriedhofs nachfragte, wo ihr Mann begraben sei, wurde ihr mitgeteilt, dass sich das nicht sagen lasse, da er wahrscheinlich mit anderen Hingerichteten "in einem Massengrabe beigesetzt worden ist". Mehr als zwei Jahre nach der Hinrichtung sollten sie und andere Angehörige im August 1946 schließlich aus den Medien erfahren, wo die Leichen geblieben sind. Durch Zufall war ein Mitarbeiter des Landesverbandes ehemals politisch Verfolgter bei den Recherchen für eine Gedenkstätte am Zentralfriedhof in Graz bei der Durchsicht der Bücher in der Friedhofsverwaltung auf 44 namenlose Tote gestoßen. Bald war klar, dass es sich bei den Leichen um Hingerichtete handelte, die Anfang des Jahres 1946 vom Anatomischen Institut der Universität Graz hierher gebracht worden waren, ohne dass die Angehörigen, die Behörden oder der Opferverband informiert


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