Kunst Kritiken

Magische Arme und Steinchen auf Glas

Lexikon | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Auf einem gefalteten Papier ist ein alter Stich zu erkennen, der perspektivische Linien zeigt. Allerdings steckt das Blatt in einem Tennisball, sodass die Grafik nur teilweise zu erkennen ist. Diese Kopie aus dem Buch "Oculus artificialis teledioptricus sive telescopium" von 1685 diente Caroline Heider, Jahrgang 1978, als Ausgangspunkt ihrer Ausstellung in der Galerie unttld contemporary. Die Künstlerin nimmt diese Abhandlung über den Vorgang des Sehens und optische Geräte zum Motto ihrer eigenen Reflexion über Hilfsmittel in Fotografie und Film. So werden etwa Tennisbälle auf Stativbeine gesteckt, damit diese nicht den Boden zerkratzen. Als "Magic Arm" wird ein Griff bezeichnet, der in einem von Heiders analogen Aufnahmen einen dekorativen Magnolienast hält. Aus der Trickkiste der Fotografie stammen auch sogenannte Kokolores, womit Filterschablonen gemeint sind. Auch ein Spray kommt zum Einsatz, etwa bei einem Frauenbild von Madame d'Ora. Wenngleich stimmig inszeniert, so wirkt die Schau auch etwas didaktisch. So etwa bei den großformatigen Bergfotos, die - je nach Filter -mal mit rosa Wölkchen, mal als Nachtbild zu sehen sind.

Weit sperriger geht es da gegenüber in der Galerie Andreas Huber zu, in der Michael Part eine ebenfalls über analoge Bildtechnik reflektierende Schau zeigt. Der Dunkelkammeraffine Künstler sammelt Fotos winziger Minerale, skurrilerweise Reste von Badesalzen, die er dann auf mit selbsthergestellter Fotoemulsion beschichteten Glasplatten entwickelt. In seiner Ausstellung "e.g., 2005-2014" werden nun die Ergebnisse aus neun Jahren Steinchenfotografieren gezeigt, und zwar in Form von Glasplatten, auf die Bilder von Glasplattenreihen entwickelt wurden. Nur ein Dia zeigt der zentrale Projektor: Es wurde wiederum aus einer Glasplatte ausgeschnitten. NS unttld contemporary, bis 9.1. Galerie Andreas Huber, bis 10.1.


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