Nüchtern betrachtet

Wenn der Kehlmann zweimal klingelt

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Im Burgkino lief gefühlte zwei Jahrzehnte lang ein Spot für eine anti-suizidale Hotline, in dem Menschen, die der Welt abhanden zu kommen drohten, von einer sehr sonoren Stimme aufgefordert wurden anzurufen: "Call Befrienders". Danach folgte die Nummer, die mit 7 begann und ewig viele 3en enthielt. An diesen Spot musste ich denken, als ich am Wochenende die Weihnachtsliteraturbeilage der Zeit aufschlug. Sie enthält ein Gespräch mit Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann. "Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann sind Freunde", stand da zu lesen.

Das ist freilich ein Pleonasmus. Daniel Kehlmann ist "The Befriender of the Western World", der befreundetste Schriftsteller aller Zeiten. Kaum noch ein Buch erscheint, das nicht von ihm bevorwortet, benachwortet, beklappentextet oder beblurpt wurde. Im Nachspann zu ihren Büchern oder in Interviews danken Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die zumindest so berühmt sind wie Daniel Kehlmann, diesem dafür, dass er ihr Manuskript gelesen, ihnen


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