STEIERMARK

Freundschaft ist nie umsonst. Das Theater im Bahnhof poltert mit Nestroy

Lexikon | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Er war ein einzigartiger Wort-und Witz-Virtuose, ein subversives Theatergenie. Und doch sind immer wieder hilflose Versuche zu erleben, den Chefquerulanten des Biedermeier der Vereinnahmung durch See-und Schlosshofbühnen zu entziehen. Johann Nepomuk Nestroy macht es seinen Interpreten nicht leicht. Am Grazer Schauspielhaus war schon Andreas Vitasek als Nestroy-Regisseur zu erleben oder Michael Ostrowsky als Interpret. Das Ergebnis: durchwachsen.

Nun wartet das Theater im Bahnhof mit einem Nestroyabend auf, der das TiB'sche Volkstheaterverständnis mit dem des Autors zusammenführt. Gleich vorweg: Auch "Lumpazigeist Höllenangst Umsonst" ist nicht der große Wurf. Zu angestrengt und zugleich unentschlossen erscheint der Zugriff der Regisseure Helmut Köpping und Ed Hauswirth. Aber wer die hoch gesteckten Erwartungen ausblendet, sieht vor allem schönes Theater. Im Verein mit Schauspielhaus-Mimen und den großen Wienerliedfabrikanten Kollegium Kalksburg feiert das TiB einen Polterabend der Nestroy-Gestalten. Zwischen feuchtfröhlicher Männerfreundschaft und erfolgreichem Freunderlwirtschaften wird kein blaues Auge ausgelassen, das der Politik durch Buberlpartien und andere IGs beigebracht wurde. Der Lumpazigeist lebt im Zirberl, Höllenangst verbreitet nur die Finanzpolizei und nie ist keine Leistung umsonst.

Große Kunst gelingt im Kleinen; etwa wenn die Impro-Kings des TiB mit Kammerschauspieler Gerhard Balluch zusammenfinden. Oder wenn alle Schamlosigkeit auf Knopfdruck im Boden versinkt. Ja, da hätt am End auch der Autor seine Freud. F Schauspielhaus Graz, Mi (3.12.), Do 19.30


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