Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Hainburg 20

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Der Autor erinnert sich, wie sich die vier zur Diskussion Eingeladenen verwundert in sein Zimmer zwängten. Ah, so kann ein Chefredakteursbüro auch aussehen! Freda Meissner-Blau, Anton Benya, Herbert Krejci und Friedrich Graupe drängten sich mit Mitmoderator Martin Staudinger am Tisch.

Ist der Groschen gefallen? Die Grande Dame der Grünen, der ehemalige Präsident des ÖGB, der ehemalige Generalsekretär der Industriellenvereinigung, der zuständige Redakteur der Kronen Zeitung trafen sich, um zehn Jahre danach über Hainburg zu diskutieren.

Hier konnte einiges aufgeklärt werden. ÖGB-Präsident Benya sagte zu Innenminister Blecha: "Pass auf, du bist noch zu viel in deiner Jugendbewegung drinnen, vergiss aber nicht, du bist Innenminister und hast für Ordnung zu sorgen!" Aber Bundeskanzler Fred Sinowatz bat die Gewerkschafter, die Baumfällungen nicht wie geplant mit Gewalt durchzuziehen. "Ein Humanist bis dorthinaus", urteilte Benya. Krejci wollte den Demonstranten aus seiner Russlandfronterfahrung raten, Zeitungen in die Schuhe zu stopfen. "Auf die Hintergründigkeit dieses Satzes hat mich meine Frau erst nachträglich aufmerksam gemacht."

Die Kronen Zeitung war nämlich eine treibende Kraft hinter den Besetzern, aber sie profitierte nicht mit steigender Auflage, erklärte Redakteur Graupe. Vöest-Arbeiter boykottierten sie, die Auflage sank. Aber die Grünen wurde nach Hainburg wirklich gegründet. Die Rolle von Innenminister Blecha würde sie heute anders einschätzen, sagte Meissner-Blau. "Er hat eine wirkliche Konfrontation vermieden."

Resümee: "Nach dem Gesetz war es nicht, aber eine Bewegung ist halt eine Bewegung" (Benya). Die Umweltbewegung wurde von den Parteien erstmals ernst genommen" (Graupe). "Die Sozialpartnerschaft hat zum ersten Mal einen wirklichen Knacks bekommen, auch wurde ein Umdenkprozess in der E-Wirtschaft eingeleitet" (Krejci). "Viele Leute haben begriffen, dass Resignation und Apathie kein Schicksal sind" (Freda Meissner-Blau).


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