Film Neu im Kino

Addiert zu nichts: "The Zero Theorem"

Lexikon | MICHAEL PEKLER | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Was das "Zero Theorem" eigentlich ist, nach dem der geniale Computerexperte Qohen Leth (Christoph Waltz) sucht, muss ihm erst ein nerdiger Jugendlicher erklären, der ihm bei der Lösung des mathematischen Problems zur Seite gestellt wird: Es ist die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, und diesen stellt man sich offensichtlich erst in fortgeschrittenem und feinsinnigem Alter. Weil dieser Sinn für Qohen, dessen Namen sich nicht mal sein eigener Abteilungsleiter merken kann, jedoch nicht beweisbar scheint oder zumindest nicht ersichtlich ist, stürzt der ohnehin psychisch labile Mann immer tiefer in die Krise. Hinter mehreren Sicherheitsschlössern lebt er allein in einer verlassenen Kirche, die er nur für seine Arbeit für einen alles überwachenden Konzern in einer wabenartigen Zelle mit Konsole verlässt.

Die Welt um ihn herum ist bunt, laut und schrill, denn sie ist eine von Terry Gilliam inszenierte, in der die Menschen sich exaltiert zur Schau stellen, weil sie nicht einmal mehr Gefühle für sich selbst haben. Dass dieser Film stark an Gilliams berühmteste Arbeit "Brazil" aus dem Jahr 1985 erinnert, gereicht "The Zero Theorem" nicht unbedingt zum Vorteil: Diese surrealistische Zukunft sieht aus, als wäre sie bereits seit den 80er-Jahren Vergangenheit. Man merkt diesem Film in jeder Einstellung und Dialogzeile sein Bemühen um Originalität an, mit der Systemkritik und Zukunftsangst zum Ausdruck kommen sollen. So begibt sich das verklemmte Genie mit Glatze auf die Suche nach einer Gefährtin (Mélanie Thierry), die für ihn eine zusätzliche künstliche Welt der kitschigen Sonnenuntergänge errichtet und in der seine geheimen Träume wahr werden. Doch wie bringt sein Vorgesetzter das Theoremproblem auf den Punkt: "Alles addiert sich zu nichts."

Ab Fr in den Kinos (OmU im DeFrance)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige