Tiere

Weihnachtsbraten

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014


Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen hungrig sind. In Ostösterreich wird zum religiösen Jahresendfest oft Karpfen gegessen, Engländer feiern mit Plumpudding, und bei unseren Nachbarn gibt es entweder Sauerkraut (Slowakei), Buchweizenbrot (Slowenien) oder Kartoffelsalat mit Würstchen (Deutschland). In manchen Kantonen der Schweiz hingegen kommt Hund oder Katze auf den Festtagstisch. Das irritiert etwas, zerstört aber auch so manches Vorurteil, dass nur „der Asiate“ solche abartigen Nahrungsvorlieben hätte.

Jetzt hat der frankofone Verein „SOS Chats“ im Parlament eine von 16.000 Menschen unterschriebene Petition zum Verbot des Verzehrs von Hunde- und Katzenfleisch eingereicht. Denn Schweizer Bundesgesetze erlauben, die eigene Katze oder den eigenen Hund zum Verzehr und für nichtkommerzielle Zwecken zu töten. „Mostbröckli“ heißt im Kanton Appenzell – in dem Frauen immerhin seit 1990 wählen dürfen – das entsprechende Gericht aus Hundefleisch. Und als Motto gilt bei vielen Bauern „Fleisch ist Fleisch“.

Das ist grundsätzlich noch nicht falsch, und wer sich darüber aufregt, muss sich fragen, warum wir dann andere Haustiere wie die ebenso kuscheligen Schafe, sanften Kälber oder vifen Schweine essen. Aus rein ökonomischen Gründen haben wir nur pflanzenfressende Tiere domestiziert, denn um ein Kilo Katze auf dem Teller zu haben, muss man diese mit ca. zehn Kilo Fleisch füttern. Außerdem reichern sich im Fleisch von Raubtieren die Schadstoffe der gesamten Nahrungskette an. Aber Logik hilft weder gegen Traditionen noch gegen Hunger. In Notzeiten wurden Katzen mangels anderer Nahrung so wie Kaninchen oder Hasen zubereitet. Auch in Wien wurden sie vor allem während der Zeit der Türkenbelagerungen verzehrt und – da sie gut klettern konnten – im Unterschied zu den Nagetieren am Boden Dachhasen genannt.

Aber. In Europa gibt es keinen Mangel an Fleisch. Und. Menschen in Städten fehlt die „Tradition“, Tiere, mit denen man zusammenlebt, zu töten und zu essen. Oder wie es der Schweizer Kolumnist Jörg Meier formulierte: „Wir Aargauer fressen unsere Büsis (dt.: Katzen) nicht einfach auf. Wir lieben sie, bereiten sie sorgfältig und fantasiereich zu und essen sie genüsslich.“

Na ja, meine Spiegelneuronen lassen das jedenfalls nicht zu.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige