Neue Bücher

Ein Abschied und ein Einstieg

Feuilleton | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Der Schauspieler Gert Voss ist am 13. Juli gestorben. Da war die Bildmonografie, die die Berliner Akademie der Künste jetzt vorlegt, praktisch schon fertig. Die Texte über Voss sind deshalb in der Gegenwart geschrieben - so, als wäre er noch am Leben. Das macht die Lektüre einerseits noch trauriger, hat andererseits aber auch etwas Stimmiges: Wer den üppig illustrierten Band durchblättert und sich dabei an Aufführungen mit Voss erinnert, hat ihn ja ganz lebendig vor Augen.

Die von Voss' Frau Ursula ausgewählten Fotos und Dokumente, die eine fast 50-jährige Karriere dokumentieren, werden ergänzt durch Kritiken und Reden sowie ein gutes Dutzend Originalbeiträge -darunter Texte von Hermann Beil und Harald Schmidt. Das Buch sollte eigentlich eine Dankesgeste der Akademie sein, der Voss 2012 sein Archiv geschenkt hatte. Jetzt hat der Band den Charakter eines monumentalen Nachrufs bekommen. Bittere Pointe, schönes Buch. WK

Dem jungen Autor Wolfram Lotz ist mit "Die lächerliche Finsternis" im Akademietheater ein Stück des Jahres gelungen. Wer lieber Bücher liest als ins Theater zu gehen, kann Lotz in dem Bändchen "Monologe" kennenlernen, den der Leipziger Kunstverlag Spector Books als Auftakt einer liebevoll gemachten Paperbackreihe produziert hat. Neben Lotz' programmatischer "Rede zum unmöglichen Theater"(Zitat: "Die Würstchen der Wahrheit, die für uns gebraten werden, wollen wir nicht mehr essen") sind darin vier Monologe enthalten, die eine gute Einführung in die unkonventionelle Denkweise, die klare Sprache und den eigensinnigen Witz des Autors darstellen. Es sprechen Thilo Sarrazin, ein somalischer Pirat, Rudolf Moshammer und - besonders witzig - die Mutter des Dramatikers. Der Bub habe sich halt spät entwickelt, sagt Mama Lotz über ihren Sohn, "aber innerlich ist er ein ganz Lieber". Und nach der Lektüre: Ab ins Theater! WK


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