Krach mit leisen Zwischentönen: die Geschichte der Toten Hosen in Buchform

Feuilleton | Lektüre: Gerhard Stöger | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Campino war immer schon ein großer Performer und Entertainer, ein Brülltier war er sowieso. Vom Rest der 1982 gegründeten Band aus Düsseldorf beherrschte anfangs allerdings nur einer sein Instrument. 30 Jahre später zählten Die Toten Hosen auf ihrer bislang letzten Tour 1,1 Millionen Besucher. Wie es dazu kommen konnte, beschreibt der Spiegel-Redakteur Philipp Oehmke, ein langjähriger Freund der Band, in der Biografie "Am Anfang war der Lärm".

Er erzählt von den Punkchaoten, die keine Regeln mochten, auch jene des Punkrock nicht, und in den 80ern eine Spur der Verwüstung durch Deutschland zogen. Kein Dorf blieb unbespielt, kein Fass ungeöffnet. Er erzählt davon, wie diese Vögel zu Rockstars wurden und ihr Sänger in den 90ern als bekokster Berufsjugendlicher durch die deutsche Talkshowwelt taumelte.

Er erzählt vom Erwachsenwerden der Band kurz vor der Jahrtausendwende, erzwungen durch tragische Erlebnisse (ein junger Fan wurde bei einem Konzert erdrückt) und existenzbedrohende Entwicklungen (Drogen, Alkohol, Spielsucht). Er erzählt von Sinnkrisen und Befreiungsschlägen, von der schweren Geburt des Hits "Tage wie diese" und warum Campino zwar ans Telefon geht, wenn die Kanzlerin mit ihm über dieses Lied sprechen möchte, die Band bei der Fußball-Weltmeister-Feier aber lieber nicht auftritt.

Heute sind die Hosen so etwas wie die deutschen U2. Mit Apple legen sie sich trotzdem nicht ins Bett, und auch sonst ist ihre Welt eine angenehm bullshitfreie Zone. "Am Anfang war der Lärm" leuchtet diese Welt mit viel Liebe zum Detail aus.

Oehmke zeigt die schönsten Tore und eindrucksvollsten Aktionen aus gut 30 Jahren Bandgeschichte. Vor allem aber gibt er den Taktikbesprechungen und der Persönlichkeit der Spieler viel Raum, und er analysiert den Mannschaftsgeist genau. Aus der Fanperspektive zwar, aber so nachvollziehbar argumentiert, dass das Buch auch Hosen-Skeptikern zu empfehlen ist - als spannend, kurzweilig und berührend erzähltes Stück deutscher Popgeschichte.


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