Im Himmel ist der Teufel los

Heaven, Wiens ältester Gay-Club, feiert 25-jähriges Bestehen und zeigt: Schwul weggehen hat sich verändert

Stadtleben | Clubrecherche: C. Wurmdobler | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014


Foto: Produktionsbuero.at

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Obwohl der Abend noch jung ist, sind schon eine Menge Menschen auf der Tanzfläche, der Großteil davon männlich. Der DJ spielt harten Techno, die Leute bewegen sich verhalten, ein paar Kerle haben bereits ihre Oberkörper frei gemacht und zeigen, dass sich die Arbeit im Fitnesscenter auszahlt. Ein Typ hat ein Bodypainting auf den Schulterblättern: zwei Löcher mit blutigem Rand, die wohl ausgerissene Flügel bedeuten sollen. Wiens ältester Gay-Club Heaven feiert 25-jähriges Bestehen mit einer Riesenparty in der Ottakringer Brauerei. Da ist ein gefallener Engel naheliegend.

Vor 25 Jahren gab es in Wien wenig Möglichkeiten für Schwule, jemanden für eine Nacht (oder fürs restliche Leben) zu finden. Die wenigen Gay-Bars hatten ihre Zielgruppen – ältere Männer, Stricher, die Schwulensaunas ebenfalls. Schwul fortgehen? Kannte man höchstens aus den Erzählungen von London- oder Amsterdam-Reisenden. Da kam Ende 1989 die wöchentliche „Heaven Gay Night“ in der damals angesagten Szene-Disco U4 gerade richtig. Trotz des ausgehtechnisch schwierigen Termins am Donnerstag war der Meidlinger Disco-Keller gleich beliebt. Zunächst betrieb man dort noch eine Men-only-Politik und installierte einen Darkroom für den schnellen Sex. So selbstverständlich wie die Besucher in der Ottakringer Brauerei beim Geburstagsfest auftreten, war man damals im U4 nicht. So aufgemascherlt, körper- und selbstbewusst wie heute aber auch nicht.


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