Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Helfen statt Geld verheizen: wie man die Energiearmut bekämpft

Politik | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Bis Ende 2020 will Österreich die "Energiearmut" eindämmen, das ist seit heuer gesetzlich verankert. Aber "Energiearmut", was heißt das eigentlich? Und wen betrifft sie?

"Es gibt in Österreich weiterhin kein einheitliches Verständnis davon, wer als energiearm bezeichnet werden kann", sagt Walter Boltz vom österreichischen Energieregulator E-Control. Der Begriff "Energiearmut" werde zwar im Gesetz verwendet, sei aber noch nie definiert worden. Und das sei ein erhebliches Problem.

Denn derzeit fußt die Zahl der 230.000 Energiearmen in Österreich (Stand 2013) auf einer repräsentativen EU-Umfrage über Einkommen und Lebensbedingungen. Als energiearm gilt, wer folgende Frage bejaht: "Schränkt Ihr Haushalt den Energieverbrauch zumindest zeitweise ein, weil Sie das Geld für Wohnen, Lebensmittel und Bekleidung dringender benötigen?" Darunter können aber auch Normalverdiener fallen, die einfach zu viel heizen und Energie verschwenden, erklärt Boltz. Dabei wolle man ja jenen helfen, die es wirklich benötigen.

Im Vorjahr schlug die E-Control eine Definition vor, um die Basis dafür zu schaffen: Energiearm ist, wer arm ist und hohe Energiekosten hat. Würde diese Definition gelten, käme eine Umverteilung in Gang. 2013 gab Österreich 32 Millionen gegen Energiearmut aus, Stichwort "Heizkostenzuschüsse". Boltz fordert, Hilfe solle zielgerichtet und nachhaltig sein, statt dass das Geld via Gießkanne verteilt werde. Also kein Heizkostenzuschuss mehr für alle, stattdessen Energieberatungen und Finanzspritzen für Arme, damit sie energiefressende Geräte austauschen können.

Als Vorreiter nennt die E-Control dabei die Stadt Wien. Als einziges Bundesland schaffte Wien 2013 den Heizkostenzuschuss ab und half in dem Jahr gezielt rund 11.000 einkommensschwachen Haushalten. Der Kampf gegen die Energiearmut wird seither über die Sozialarbeit abgewickelt. Anlaufstelle für Hilfesuchende: die Sozialzentren der Stadt.


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