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"Xerxes" von Georg Friedrich Händel -eine Sternstunde an der Grazer Oper

Lexikon | OPERNKRITIK: HERBERT SCHRANZ | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Nach vielen Jahren steht mit Georg Friedrich Händels "Xerxes" wieder ein frühes Meisterwerk der Opernliteratur auf dem Spielplan der Oper Graz - mit dem Norweger Stefan Herheim als herausragendem, vor Ideen sprühendem Regisseur und Konrad Junghänel, einem Meister historischer Aufführungspraxis. Dieser führte mit den Grazer Philharmonikern vor, wie lebhaft, wie getragen, wie leise oder akzentuiert Opern-Orchestermusik sinnfälligerweise sein kann, ja sein muss, um hohe Wirkung zu entfalten. In der von der Komischen Oper Berlin (2012) übernommenen Produktion werden Arien nur zum geringen Teil original italienisch (an)gesungen. Die Hauptsprache ist - Distanz verringernd - Deutsch, wie in den vier frühesten Opern Händels für die große Oper am Hamburger Gänsemarkt.

Stefan Herheim und Heike Scheele (Bühne) verlegen das Geschehen ins frühe 18. Jahrhundert, auf eine barocke Bühne samt Hinterräumen, welche die moderne Drehbühne szenenweise ebenfalls zuwendet. Xerxes (Stephanie Houtzeel) ist bei Herheim ein absolutistischer König, der weit über seinem Bruder Arsamenes und seiner standesgemäßen Verlobten Amastris steht. Die Brüder ringen um die Arsamenes treu zugetane Romilda, deren durchtriebene Schwester Atalanta sich ebenfalls Arsamenes in den Kopf gesetzt hat.

Herheims ironisierende Kraft ist unermüdlich, sie kappt auch rührende Momente oft treffend ab. Alle Rollen sind darstellerisch von prallem Leben erfüllt, gesanglich bleiben bis in die "Nebenrollen" - einzigartig Hagen Matzeit als Arsamenes' Diener Elviro - keine Wünsche offen.

Oper Graz, Mi (3.12.), 12.12., 19.00


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