Fragen Sie Frau Andrea

Scham und Haare in der Bürste

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Liebe Frau Andrea,

in der Kolumne Ihrer Kollegin Heidi List las ich von einem Haarfetischisten, der Kopf-und Schamhaare von Frauen (durch rechtswidriges Öffnen der Koffer von Fluggästen) aus deren Haarbürsten gesammelt hat. Wie kommen Schamhaare in eine Haarbürste? Nehmen manche Frauen ihre Schamhaare, auf welche Weise sie sich derer auch entledigen, im Koffer griffbereit mit? Und überhaupt: eine Bürste für beides? Igitt! Da kann ich Frau List nur zustimmen. Bitte um (Auf-)Klärung, bevor ich eine Bürstenphobie bekomme oder nur mehr an Frauen mit Bürstenhaarschnitt Gefallen finde.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Zejda, per E-Mail

Lieber Peter,

zu den großen Themen der Menschheitsgeschichte gehört die Verehrung des Haares. Denken wir an Rapunzel, Medusa, Samson und die Beatles! Was den Anlassfall Ihrer Erschütterung betrifft, wissen wir nicht mehr, als dass die Polizei in Sydney die Wohnung eines Diebes durchsucht und dabei ungewöhnliches Diebesgut gefunden haben will: eine große Sammlung von Plastiksäckchen mit den "Kopf- und Schamhaaren" von Frauen.

Der Haarfetischist habe am Flughafen gearbeitet, lesen wir, habe die Koffer von Fluggästen geöffnet und aus diesem Fundgebiet Haare aus Bürsten gesammelt. Der Mann tat dies, so die Berichte, um sich damit sexuell zu erregen. Hier müssen wir einhalten. Zu unserem Bedauern (und dem der Aufklärung) liegt uns nicht die Eigenexpertise des Sammlers vor. Diese würde, so dürfen wir vermuten, ein anderes Bild zeichnen. Jenes des Langhaarsammlers, des Kollektors von Bürstenwolle. Zu einem überragend großen Anteil wird die Sammlung unseres Haarfetischisten aus Haupthaar bestanden haben. Im Einklang mit sämtlichen Trends zu Schamrasur und Brasilian Waxing dürfen wir von einer winzigen Fundmenge an Schamhaar in Bürsten ausgehen. Eher ist an das Barthaar von Männern zu denken, die akzidentiell die Bürste der Partnerin für barbarische Zwecke missbrauchten. Diese These zeichnet das Bild eines tragischen Falles. Wir finden den Fetischisten in neuer Rolle wieder. Neben jener des "Diebes" auch als Opfer polizeilich falsch gedeuteter Sammlertätigkeit. Ein hoher Preis für eine harmlose Leidenschaft.


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