Und Johnny ging zum Regenbogen: das Breitwieser-Musical im Schauspielhaus

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Aus dem Schani wurde ein Johnny. Mit den Fakten nimmt es Thomas Arzt in seiner "Verbrecher-Ballade aus Wien" überhaupt nicht so genau. Aber "Johnny Breitwieser" ist ja auch kein Historiendrama, sondern ein Musical, wenn auch ein recht räudiges.

Und ein Musical braucht vor allem eine Liebesgeschichte. Dem Titelhelden (zart und hart zugleich: Martin Vischer) stellt Arzt deshalb gleich drei allegorische Frauenfiguren zur Seite: Die blutjunge Anne (Franziska Hackl) ist "seine Liebe", die mondäne Greta (Katja Jung) ist "seine Sehnsucht" und verkörpert den Traum von einem besseren Leben, als "sein Volk" steht Luise (Nicola Kirsch) für das Lumpenproletariat der Vorstadt.

Schon die erste Strophe fasst die Handlung bündig zusammen: "Johnny stahl die Herzen und auch das Kapital, bis eine Kugel Blei ihm auch das Leben stahl." Die Texte, in denen es büchnert und brechtelt, dass es eine Art hat, wurden von dem zwischen Pop und E-Musik arbeitenden US-Komponisten Jherek Bischoff vertont. Die Musik, live gespielt von einem Streichquartett und einem Schlagzeuger, klingt sperriger als im Musical üblich, schreckt im Ernstfall aber nicht vor kitschigem Schmelz zurück.

Das famose Schauspielhaus-Ensemble offenbart in der 68. Produktion der Direktion Beck endlich einen Schwachpunkt: Es kann nicht singen. Was es seinen (unverstärkten!) Stimmen dennoch abringt, hat natürlich auch wieder was - man ist sich bloß nicht immer sicher, was genau.

Schauspielerisch hat Alexander Charims angenehm nüchterne Inszenierung große Momente - etwa wenn Florian Manteuffel als Inspektor den Polizeihund gleich mitspielt. Toll auch Ivan Bazaks Bühnenbild: eine Wand aus Drähten, die sowohl Räume als auch Klänge erzeugen kann.

Nächste Aufführungen: 12., 13. und 31.12., 20 Uhr, Schauspielhaus


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige