Kinder Kritik

Die doppelte Schneekönigin

Lexikon | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Hans Christian Andersens in jeder Hinsicht winterliches Märchen "Die Schneekönigin" steht derzeit in zwei sehr verschiedenen Inszenierungen auf dem Spielplan. Die Geschichte ist folgende: Weil Kai einen Splitter eines Zauberspiegels ins Auge bekommt, wird aus dem herzensguten Buben ein unterkühlter Zombie, der sich bereitwillig in die Fittiche der eiskalten Schneekönigin begibt; Kais Freundin Gerda versucht ihn da rauszuholen, am Ende geben sich die beiden einen Kuss und alles ist gut.

Im Akademietheater setzt Regisseurin Annette Raffalt wie gewohnt auf die Kraft der Burgschauspieler und den Zauber der Bühnentechnik. Als Gerda gibt Regina Fritschs 24-jährige Tochter Aline ihr Burg-Debüt; das Bühnenbild (Bernhard Kleber) glänzt mit einem großen Spiegel, die Kobolde (darunter Hans Dieter Knebel) haben lustige Kostüme an, die Schneekönigin (Stefanie Dvorak) ein schönes. So brav und konventionell wie in dieser Aufführung (ab 7 Jahren) wird hier sonst nie Theater gemacht.

Formal deutlich ambitionierter geht es Julia Burger im Dschungel (ab 6 Jahren) an. Bühnenbild gibt es kaum, das Ensemble besteht je zur Hälfte aus Schauspielern und Tänzern (wobei alle ganz selbstverständlich alles machen), immer wieder werden Situationen szenisch-choreografisch gewitzt aufgelöst. Sehr schön etwa die Schlacht mit Gerdas Stiefeln oder der von Kate Bush begleitete Pas de deux eines Raben-Paars. Die Schneekönigin tritt hier übrigens nicht auf, sie fehlt erstaunlicherweise aber gar nicht.

Aus Sicht des Kritikers ist der Fall klar: Die Dschungel-Fassung ist die viel theatralere, spielerischere und originellere Aufführung. Es könnte aber sein, dass viele Kinder die Akademietheater-Version trotzdem vorziehen, weil sie die Geschichte dort besser bestehen. WK Akademietheater, Sa, Mo 15.00; Dschungel, Sa 16.30, So 15.00, Mo 10.30,16.30, Mi 14.30


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