Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Affligem Blonde

Benediktiner können auch Bier brauen, nicht nur arbeiten

Stadtleben | MS | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Affligem heißt der Ort im Nordwesten von Brüssel, wo traditionsreich Bier gebraut wird. Die seit dem 11. Jahrhundert bestehende Abtei, die von Benediktinern geführt wird, hat seit den Anfängen ihres Bestehens auf Bier gesetzt.

Der Leitspruch des Ordensgründers Benedikt von Nursia kann hier also mit "Beten und Bierbrauen" übersetzt werden. Die Abtei hatte mit einigen Fährnissen zu kämpfen. So wurde sie 1580 von Wilhelm I. von Oranien zerstört und auch die Akteure der Französischen Revolution waren den Ordensbrüdern nicht friedlich gesinnt. Ihre heutige backsteinartige Architektur besteht seit Ende des 19. Jahrhunderts. Erstaunlicherweise haben beide Weltkriege dieser Festung kaum etwas anhaben können. Spezialität der mönchischen Bierbrauer ist eine Methode, die man vorwiegend bei der Erzeugung von Wein anwendet: doppelte Fermentation. Nach dem ersten Brauvorgang wird das Bier mit extra Zucker und Hefe in Flaschen abgefüllt, wo die Gärung weitergeht. Das Ergebnis ist ein bitterer, gleichzeitig angenehm süßlicher Geschmack. Das Bier ist aber nicht nur für den Gaumen, sondern auch für das Auge gemacht. Der Schaum ist dicht und die Flüssigkeit wunderbar bernsteinfarben. Zu Affligem wird ein eigenes Einschenkritual kolportiert: Man schüttet den Rest einer Bierflasche, wo die meisten Nährstoffe sind, in ein zweites, sehr viel kleineres Glas.

So hat der Trinkende zumindest eine Freiheit: sich zu entscheiden, ob man die ach so gesunden Stoffe überhaupt zu sich nehmen will.


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