Menschen

Gold & Pink

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Das Motto für den Life Ball 2015 hätten wir jetzt auch schon. Also Life-Ball-Daddy Gery Keszler. Der ließ verlautbaren, dass das Thema fürs größte Aids-Charity-Dings der Welt diesmal "Gold" sei, und präsentierte dazu auch gleich noch die traditionelle Style Bible. In diesem Buch der Bücher können Life-Ball-Gäste nachschlagen und sich Anregungen holen, wenn ihnen partout keine Verkleidung einfällt. Hier schon einmal ein paar schöne Kostümideen, die wir am 16. Mai mit Sicherheit auf dem roten Teppich vorm Wiener Rathaus sehen werden: eine Menge Menschen mit Lebensrettungsfolie aus der Apotheke am Körper. Goldenes Bodypainting wie im "Goldfinger"-James-Bond-Film. Und, ach, der eine oder andere "Golden Shower" (wer sich nicht auskennt, muss googeln) wird sicher auch dabei sein. Die Style Bible - die Bilder stammen von Fotografin Inge Prader - machte übrigens eher einen auf Klimt. Unter anderem mit Dagmar Koller. Genau, das ist die Dame, die vor ein paar Jahren öffentlich bekanntmachte, zwei miteinander tanzende Männer "unappetitlich" zu finden.

Apropos Gold: Im Urania-Kasperl-Keller wurde das "Goldene Brett vorm Kopf" verliehen. Die Skeptiker vergeben den Preis für den größten Unfug des Jahres im deutschsprachigen Raum. Den bekam der Mannheimer Sänger Xavier Naidoo - für eine Menge abstruser Verschwörungstheorien, die er in letzter Zeit so abgesondert hat. Ja, Sie haben's verstanden, das ist eine Negativauszeichnung. Weshalb die Geehrten auch nicht zu der Veranstaltung kamen. Laudatoren aber schon. So wie der Wissenschaftler Martin Moder, seines Zeichens Science-Slam-Europameister. Oder Mario Sixtus, Dichterin El Awadalla und Neos-Mann Niko Alm. Echt lustig.

Bekommen wir jetzt auch so ein "The Voice of Germany"? Also eher natürlich ein "Voice of Austria"? Beim ORF jedenfalls freut man sich schon sicher irre auf den Song Contest (und wir sind gespannt, ob das grüne Mäntelchen auf dem Küniglberg auch noch für ein echtes Green Event reicht). Darum tut man dort auch alles, damit Österreich auch 2015 wieder das kostspielige Wettsingen gewinnt. Für die Castingshow zur Vorentscheidung, die im Februar starten soll, hat man jetzt neben Profi Anna F. und Rapper Nazar auch noch die deutsche Band The BossHoss als "Coaches" geholt. Sie sollen die 16 Kandidaten für "Ein Lied für die Stadthalle" begleiten und ihnen gute Tipps mit auf den Weg geben. Hallo Stadthalle: Ihr könnt schon einmal den Mai 2016 reservieren. Die gewinnen uns den Scheiß!

Am Montag war dann auch noch Welt-Aids-Tag und jetzt geht es nicht mehr golden weiter, sondern pink. Auf dem Parkplatz bei der Kettenbrückengasse wurde nämlich "Pink Christmas in Vienna" eröffnet, Wiens erster Zielgruppen-Christkindlmarkt. Wir wissen auch nicht, weshalb die Aids-Hilfe nicht einfach auf dem Rathausplatz einen tollen Stand hinklotzt und stattdessen im Niemandsland ein umzäuntes Hüttendorf errichtet wurde, wo es, den eher leeren Verlaufsständen nach zu urteilen, vor allem ums Punschtrinken geht. Das machten die Leute jedenfalls und Tamara Mascara, die erstaunlichste Drag-Persönlichkeit der Stadt, machte einen guten Job. Sie moderierte die Eröffnungsgala und ließ sich auch nicht abbringen, als ein Herr auf die Bühne stürmte, der irgendwie im Zusammenhang mit einem großen Schauspieler steht. Christkindl bizarr.


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