Kommentar Kulturpolitik

Die Kulturpolitik ist tot, es lebe der kritische Journalismus

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Die Kulturpolitik schläft. Oder gibt es lediglich zu wenig Presseberichte darüber, was der Kulturstadtrat oder der Kulturminister denn eigentlich so treiben? Josef Ostermayer, der Mann mit den vielen Aufgaben, gab wieder einmal ein Lebenszeichen von sich. Das ehemalige Museum für Völkerkunde, heute Weltmuseum, muss seine Umbaupläne überdenken (siehe auch S. 29). Ohne den Journalisten Thomas Trenkler wäre die Nachricht wohl erst später und in geschönter Form an die Öffentlichkeit gelangt. Allerdings tauchte die Meldung nicht wie gewohnt im Standard auf, sondern auf seinem Blog. Um Geld zu sparen, hatte die Zeitung ihren Mitarbeiter vorübergehend entlassen.

Die Publizistik als kritisches Gegenüber politischer Entscheidungen bricht weg. Zeitungen dünnen ihre Kulturredaktionen aus und beschäftigen ihre Leute mit dem Verfassen von Texten für bezahlte Beilagen. In der Printkrise wird deutlich, dass die Feuilletons kaum mehr sind als eine querfinanzierte Liebhaberei. In guten Zeiten sind sie als symbolisches Kapital willkommen; in schlechten Zeiten ist diese Währung als erste wertlos.

In der Presseabteilung mancher Museen arbeiten inzwischen mehr Leute als in allen Redaktionen des Landes Kunstkritiker zusammengenommen. Eine Lawine von PR-Texten ergießt sich über die Schreibstuben; das Gewicht der nicht von Interessen geleiteten Berichte wird von Jahr zu Jahr geringer. Dabei geht es nicht nur um klassische Rezensionen, sondern auch um kulturpolitische Hintergründe. Die vom Rechnungshof heuer kritisierte Geldverschwendung bei der Sanierung des 21er Hauses war etwa ein Skandal. Nur wenige haben davon Notiz genommen. Da kann die Kulturpolitik ruhig weiterschlafen.


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