Gelesen Bücher, kurz besprochen

Der Opfermut der KPD

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 49/14 vom 03.12.2014

Das 20. Jahrhundert war auch das Jahrhundert des Kommunismus. Millionen Menschen waren von dieser Ideologie so überzeugt, dass sie bereit waren, dafür zu morden und ermordet zu werden, zu foltern und auch gefoltert zu werden. Oder, wie im Fall von Marcus Klingenberg (siehe große Rezension), eine große Wissenschaftskarriere für die Liebe zur Sowjetunion aufs Spiel zu setzen.

Der Historiker Martin Sabrow schrieb im Merkur einen Beitrag, der sich einem blinden Fleck der deutschen Zeitgeschichte widmete: dem kommunistischen Widerstand in Nazi-Deutschland.

Sabrows Text ist deshalb so bemerkenswert, weil die KPD in Deutschland zwischen 1933 und 1945 die wichtigste politische Widerstandsgruppe war, die aus diesem Grund, aber auch aus ideologischen Motiven, mit besonderer Schärfe von den Nazis verfolgt wurde.

Die Widerstandskraft und Zähigkeit der Kommunisten brachte selbst die Gestapo zum Staunen: "Trotz schärfster Überwachung der KPD-Bewegung, verhältnismäßig schneller Zerschlagung der Organisationszellen und abschreckender Strafen für die zahlreich festgenommenen Funktionäre finden sich immer wieder Personen, die sich der illegalen KPD-Arbeit zur Verfügung stellen und versuchen, den Organisationsapparat neu aufzuziehen."

Zeithistoriker können sich aus heutiger Perspektive nicht mehr wirklich erklären, woraus sich der Opfermut der tausenden KPD-Funktionäre speiste, den Nazis trotz härtester Repression die Stirn zu bieten.

Martin Sabrow: Die vergessene Erinnerung. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken. November 2014, € 12,-


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