Neue Bücher

Krimi-Comebacks von Poirot und Holmes

Feuilleton | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Der neue Roman um Hercule Poirot, den belgischen Eierkopf mit dem beeindruckenden Schnurrbart, erschien zeitgleich in 50 Ländern. Obwohl Agatha Christie (1890-1976) nicht wollte, dass ihre wohl berühmteste Schöpfung sie überlebt. Poirot starb im Herbst 1975; in "Die Monogramm-Morde" spaziert der wieder zum Leben erwachte Ermittler 1929 in sein Stammcafé und wird prompt in mysteriöse Ermittlungen hineingezogen.

Christie benötigte für die meisten ihrer Krimis weniger als 270 Seiten, Sophie Hannah braucht fast 340. So pendelt der Fall zwischen dem Versuch der Übertrumpfung -noch ein Verdächtiger! Diesmal könnte es doch der Butler gewesen sein! - und Kopie. Die grünlich aufblitzenden Äuglein, sobald Poirots "kleine graue Zellen" arbeiten, seine eitlen langatmigen Ausführungen: Hannah bedient sich großzügig bei ihrem Vorbild. Oft übertreibt sie ihre Mission, setzt des Detektivs Marotten zu penetrant ein. ML

1891. Sherlock Holmes und sein "Erzwidersacher" Professor Moriarty sind soeben mutmaßlich ums Leben gekommen. Diese Chance, London seinem Imperium anzugliedern, will sich ein New Yorker Gangsterboss nicht entgehen lassen. Anthony Horowitz, der bereits mit "Das Geheimnis des weißen Bandes" eine von Arthur Conan Doyles Erben autorisierte Fortsetzung schuf, schlachtet auch diesmal weidlich die Vorlagen aus, allerdings subtiler.

Sein Ermittler, eine aus dem Roman "Das Zeichen der Vier" bekannte Figur namens Athelney Jones, kopiert die Methoden des totgeglaubten Detektivs. Als Ich-Erzähler fungiert nicht Doktor Watson, sondern ein als Pinkerton-Agent vorgestellter, ziemlich spöttischer Mister Chase. Der Fall endet nach rund vier Wochen mit einem blutigen Aufräumen in der Unterwelt. Warum Moriarty im Titel auftaucht, wird bald klar, denn wie Holmes scheint auch dieses üble Genie nicht totzukriegen. ML


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