Menschen

Muschi

Falters Zoo | N. Scheyerer, G. Stöger, C. Wurmdobler | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Natürlich haben Anna Popelka und Georg Poduschka vom Architekturbüro PPAG nicht nur die Sandkiste vorm Kindermuseum entworfen. Obwohl man bei der Verleihung der Preise der Stadt Wien vergangene Woche im Rathaus ein bisschen den Eindruck gewinnen konnte. Für ihren neuen Bildungscampus hinterm Hauptbahnhof wurden die PPAGs gerade für den Mies van der Rohe Award 2015 nominiert. Und überhaupt steht ganz schön viel PPAG in Wien und dem Rest der Welt herum. Bepreist wurde bei dem Anlass von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny auch noch ein anderer Lieblingswiener: Popfest-Macher, Musiker und DJ Patrick Pulsinger, der auch noch für die richtige Zeremonienmusik sorgte. So wie Komponistin Johanna Doderer, die den Ernst-Krenek-Preis bekam.

"Weihnachten am Arsch", haben die Gebrüder Stitch über einen Eissalon am Anfang der Mahü geschrieben, den sie derzeit bespielen. Derlei Brauchtums-Bashing lockt natürlich die Leute an, und so wunderte es uns gar nicht, dass Moriz Piffl, einer der beiden umtriebigen Maßjeans-Brüder, behauptet, der temporäre Arschsalon hätte momentan das meistfotografierte Portal der ganzen Straße. Drinnen gibt's Infos zu den Hosen, Gutscheine, die - mit (M)Arschmellows - hübsch verpackt werden und im ersten Stock ein kleines Stitch-Museum. Gemacht werden die Jeans dann aber weiterhin im Hosenlabor. Wo es bedauerlicherweise heuer keine Vollpension mit Kaffee und Kuchen gibt. Aber uns schwant etwas!

Im Konzerthaus riss dann die großartige Nouvelle-Chanson-Sängerin ZAZ das Publikum übrigens so von den Sitzen, dass die Saalwächter alarmiert ausströmten. Die multiinstrumental begabte Band der Französin heizte mal jazzig, mal mit Latin-Rhythmen ein und Frau ZAZ feuerte ihre Fans in charmant gebrochenem Deutsch an.

Im Rabenhof stellte Oliver Polak sein Buch "Der jüdische Patient" vor. Darin berichtet der einzige jüdische Stand-up-Comedian Deutschlands über seine Depression. Der Wien-Fan mit dem dunklen Humor hatte auch gleich zwei Möglichkeiten gegen Depressionen mit dabei: entweder Medikamente und Therapie, sagte Polak. "Oder man muss nach Wien ziehen." Bevor der leidenschaftliche Katzenablehner (er sagt sogar "Hasso" statt "Muschi") aber auf die Bühne kam, gab es ein von ihm selbst zusammengestelltes Einlassmusikprogramm. Blumfelds "Verstärker", klar. Und dann noch "Hautnah" von Udo Jürgens. Gute Überleitung.

Udo Jürgens gab nämlich auch ein Konzert in der Wiener Stadthalle. Bei der zweiten Nummer vor 10.000 Fans fing der Entertainer schon sanft zu tänzeln an, sich in seiner Bescheidenheit schon knapp über der Demutsgrenze befindend. Drei Stunden lang unterhielt der 80-Jährige (und wirkte dabei überhaupt nicht wie 80). Nach dem Zugabenblock im Bademantel überm eleganten Anzug folgte die allerletzte Zugabe in Jeans und Hemd. Toll. Schlagerfuzzis sehen anders aus.


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