Gelesen Bücher, kurz besprochen

Familiengewalt durch Rechtsstreit

Politik | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

In den letzten Tagen wurde das Thema Gewalt gegen Kinder in den Medien kontrovers diskutiert. Es ging dabei um rohe Erziehungsmethoden, um die vermeintlich "gesunde Watschen" und ums "Ohrenziehen". Der Pianist Michael Hüter hat ein Buch geschrieben, das sich mit einer anderen Art von Gewalt in der Familie befasst: den psychischen Folgen des Rechtsstreits im Obsorgeverfahren.

Der Autor ist selbst betroffener Vater. Aus der Sicht seiner Tochter schreibt Hüter sich seinen eigenen Frust vom Herzen, das Buch liest sich wie ein langer Erlebnisaufsatz. Dabei beackert er ein grundsätzlich spannendes Feld: Wie geht das österreichische Recht mit zerrütteten Familien um? Und wie viel Leid entsteht dadurch auf allen Seiten?

Das Buch macht schon durch den boulevardesken Titel "Krieg gegen Väter" skeptisch. Und wird dem Thema letztlich nicht gerecht. Hüter schreibt - im Namen seiner Tochter - Elogen auf sich selbst. Das Narrativ: Der geliebte, praktisch fehlerlose Vater hat den Obsorgefall verloren gegen die böse Mutter, die alles falsch macht. Das ist zu einfach und zu schwarz-weiß.

Michael Hüter: Krieg gegen Väter. Das Drama eines Scheidungskindes. Kral Verlag, 224 S., € 26,90


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