Am Apparat Telefonkolumne

Herr Hirschal, wie lebt es sich öffentlich im Glaskubus?

Politik | Anruf: B. Narodoslawsky | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Gironimo Noah Hirschal lebte, arbeitete und schlief vier Tage lang auf der Mariahilfer Straße in einem Plexiglaskubus. Vier Quadratmeter Fläche, genauso viel wie sein Arbeitsplatz. Hirschal, 34 Jahre, arbeitet als freier Kreativer und ist Sprecher der Einpersonenunternehmer (EPU) im SPÖ-Wirtschaftsverband. Mit der Aktion wollte er im anlaufenden Wirtschaftskammer-Wahlkampf auf die Lage der EPU aufmerksam machen.

Wie haben die Passanten auf Sie reagiert?

Wir haben das Ding Montagmorgen hingestellt. Der Besitzer vom Punschstand gegenüber hat mir gleich eine Wärmeplatte vorbeigebracht. Andere Menschen haben mir Essen gegeben, und andere haben mich moralisch unterstützt. Ich habe rundum eine unglaubliche Solidarisierung erfahren. Die Gesellschaft funktioniert. Die Aktion ist für mich lebensprägend.

Hatt en Sie Angst?

Ein Security war immer vor Ort, aber am vorletzten Tag habe ich ihn nach Hause geschickt, denn die Leute sind nicht so scheiße, wie uns dauernd vorgemacht wird. Die größte Gefahr war eine Gruppe von betrunkenen Wirtschaftsstudenten.

Wie sind Sie mit der totalen Transparenz umgegangen?

Es ist eine völlig ungewohnte, unsichere Situation, in die man sich begibt. Die Aktion wurde auch im Internet live übertragen. Nach dem zweiten Tag merkt man die Beobachtung fast nicht mehr, und man erwischt sich selbst am Monitor beim Nasenbohren.

Was hat ein Glaskubus mit EPU zu tun?

Wir EPU arbeiten im Versteckten, in unseren Privaträumen oder in Co-Working-Spaces. Die Aktion war dringend notwendig, um EPU sichtbar zu machen. Und öffentlich Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir die Mehrheit in der Wirtschafskammer sind. Aber über uns wird geredet wie über eine jugendkulturelle Bewegung. Man nimmt uns nicht ernst.


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