Hildegard Conchita

Das mobile Hotdog-Konzept von Hildegard Wurst wurde sesshaft

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es kann ja durchaus einmal passieren, dass einem sein Job – etwa Modeeinkäufer oder Medien – einmal fad wird. Etwa so wie das bei Matthias Hofer und Leonie Mayer-Rieckh der Fall war, so dass aus einer Idee, die bei einem Smalltalk einmal angestoßen wurde, nämlich ein Würstelstandl mit Hotdogs zu machen, plötzlich Realität wurde: Vor zweieinhalb Jahren kauften sie sich einen roten Ape-Dreiradler und ließen sich den zum fahrbaren Würstelstand machen.

Den Fehler, den andere Quereinsteiger mit ihren genialen Imbissideen sehr oft machten, nämlich zu glauben, Wien sei der Imbissmarkt der unbegrenzten Möglichkeiten und um Standkonzessionen, Marktamt und Gänge durch sämtliche nur denkbare Institutionen müsse man sich nicht kümmern, vermieden sie. Ihr „Hildegard Wurst“-Standl kam nur als Caterer und zu Events, etwa gleich an ihrem ersten Tag zur EM ins Wuk, wo die Quereinsteiger einmal ordentlich Wirklichkeit zu spüren bekamen – nichts funktionierte, wie sich Matthias Hofer erinnert.

Heute schafft er nicht nur vier Hotdogs in der Minute, sondern seit voriger Woche haben die beiden – der Name leitet sich übrigens von Leonies Urgroßmutter ab, die hieß wirklich so – einen festen Hildegard-Wurst-Laden in der Operngasse, in dem zuvor Antiquitäten und dann kurz Cupcakes verkauft wurden. Weiße Fliesen, ein Pult mit integriertem „Roller-Grill“ und einer Vitrine mit den diversen Toppings, ein paar rudimentäre Sitzgelegenheiten und eine schwarze Stecktafel mit den sechs Hotdog-Varianten drauf – fertig.

Die geraden Hotdog-Würste ohne Haut stammen von Radatz, der hatte sie schon im Programm, als die beiden Hotdogger begannen, waren damals allerdings Ladenhüter, weiß Leonie Mayer-Rieckh. Das änderte sich, als sie ein paar hundert Stück pro Tag benötigten, die flaumigen Buns kommen nach langer Suche „aus dem Ausland“, der Cheddar aus Irland, Senf und Ketchup von Heinz, Remoulade aus Dänemark.

Und sie schmecken schon anders als das, was man am Würstelstand sonst unter der Bezeichnung „Hotdog“ bekommt, weicher, flaumiger. Sie sind auch sehr viel kleiner, sagen wir so: Zwei schafft man locker. „Amsterdam“, zum Beispiel, wird mit Chilisauce, Senf und Cheddar gemacht (€ 3,70), „Malmö“ mit Gurkerln und Zwiebel, „New York“ mit Kraut und Tomatenrelish. Ein Schwachpunkt ist leider der Senf, weil nicht gelb, der sei in für sie sinnvollen Packungsgrößen in Österreich leider nicht zu bekommen, meint Hofer. Verdammt. Ziemlich gut war jedenfalls der „Amarillo“-Hotdog mit Chili con Carne und Cheddar, jeden Monat gäbe es einen Extra-Dog mit einem passenden Craft Beer dazu, gute Idee. Und wenn wer statt eines dritten Hotdogs lieber was Süßes will, gibt’s das auch: Eine Freundin bäckt Cookies und anderes mit New-York-Appeal.

Resümee:

Und noch ein Snack im Jahr des Imbisses – Hildegard Wurst wurde sesshaft und macht jetzt ziemlich gute Hotdogs in der Operngasse.

Hildegard Wurst
4., Operngasse 23,
Mo–Fr 11–19, www.hildegardwurst.at


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