Buch der Stunde

Ein möglicher Einsteig auf dem Gipfel der Kunst

Feuilleton | Thomas Leitner | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Sie hat etwas ziemlich Schlimmes getan", heißt es von der Freundin des Erzählers, in dessen tastende Erinnerung man gezogen wird. Nach und nach wird klar, dass dies im Zusammenhang mit der Ben-Barka-Affäre steht - der marokkanische Politiker wurde 1965 entführt und ermordet.

Im neuen Roman von Nobelpreisträger Patrick Modiano ist das einer der wenigen Festpunkte im Nebel eines Palimpsests, in dem Gegenwart und Vergangenheit ineinanderfließen und sich auch Fluchtlinien in die Zukunft auftun. Manchmal leuchtet in diesem Grau eine Farbe umso heller auf, das Rot eines Lancia etwa oder die Herbststimmung eines Parks.

Immer wieder werden die klingenden Namen von Pariser Adressen zu Momenten sinnlicher Gewissheit ("Es war eine Manie, alles kennen zu wollen, was im Laufe der Zeit und in aufeinander folgenden Schichten irgendeinen Ort von Paris ausgefüllt hatte"). In das Selbstgespräch des Wanderers durch Paris mengen sich dann auch lebendig gewordene Figuren der Revolution oder der Boheme


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