Film Neu im Kino

Experimentelles in 3-D: "Adieu au langage"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Jean-Luc Godard wurde gerade 84 Jahre alt, nun kommt sein erster Langfilm in 3-D ins Kino: "Adieu au langage" - prall gefüllte 70 Minuten experimentellen Kinos, die in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurden. Der legendäre Nouvelle-Vague-Regisseur gibt eine skizzenhafte Synopsis mit auf den Weg: "Eine einfache Handlung, eine verheiratete Frau und ein freier Mann begegnen sich. Sie lieben sich, streiten sich, ein Schlag ergibt den anderen. Ein Hund streicht zwischen Stadt und Land herum, die Jahreszeiten ziehen vorbei. [...] Von der menschlichen Gattung geht es über zu Metaphern, enden wird es mit Bellen und Babygeschrei."

Doch dies ist nur ein dünner Faden im Szenenlabyrinth ohne kohärente Handlung, in dem vom Abschied von der Sprache keine Rede sein kann: Theaterhaft werden Sätze rezitiert, Ideen wirbeln durcheinander - politische, historische, kulturelle, existenzialistische Bruchstücke einer verstrickten Welt. Dazwischen Reflexionen zum Wesen des Hundes - im Übrigen Godards niedliches Haustier.

Auf der Bildebene arbeitet er mit Überlagerungen, Farbspielen und hohem Schnitttempo, das die abreißenden Musikfragmente und der wilde Sound unterstreichen. Zuweilen ergeben sich optische Effekte von anarchischer Frische - in Cannes wurde dafür applaudiert. Trotzdem möchte man manchmal die angestrengten Sinne abwenden, würde nicht die Hoffnung, die Rätsel dieser Filmkomposition zu begreifen, das Interesse an die Leinwand fesseln.

Dazwischen ruhige Momente in tiefstem 3-D: die Hand einer Frau, die im Vordergrund einen Zaun umklammert. "Ich stehe zur Stelle", spricht im Off ein Mann, der seine Hand auf die andere Seite legt. Was den Raum hier ausfüllt, ist tatsächlich der Sprache enthoben.

Ab Fr im Gartenbaukino (OmU)


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