Her mit dem Schampus!

Zwei Jubiläen: Das Festival Interpenetration gibt es seit zehn, Hans-Joachim Roedelius seit 80 Jahren

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Eigentlich wollte Hans-Joachim Roe delius ein Klavier auf der Bühne haben. Nur das kann sich das Festival Interpenetration nicht leisten. Zuletzt wurden die Förderungen etwas zurückgefahren, deshalb heuer die Zusammenarbeit mit dem Forum Stadtpark oder dem Veranstalterteam Werk02 intensiviert.

Ein Stargast ist sich dennoch ausgegangen - Roedelius ist eine Legende. Er war ein Pionier des Krautrock, hat mit Band wie Cluster oder Harmonia elektronischer Popmusik den Weg geebnet. Sein Œuvre umfasst unzählige Tonträger und Musikstücke - da ist von Pianominiaturen über Sinfonien bis Easy Listening alles dabei. In seine Performance (Do, 11.12., 23.30 Uhr) wird er zudem Texte von sich einarbeiten. Der gebürtige Berliner lebt schon lange in Baden bei Wien, man kennt ihn auch als Veranstalter des Musikfestivals More Ohr Less in Lunz am See, unlängst hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Trotz seines Alters ist Roedelius also ein offener Geist. Man kann sich gut vorstellen, dass ihm Bitpop gut gefallen würde. "Der ist wieder sehr im Kommen", erzählt Martin Karner, Veranstalter des Festivals. Bitpop ist eine Verbeugung vor Old-School-Computermusik, wie sie in den ersten Generationen von Videospielen zu hören war. Videogame-Musik wird am letzten Abend, dem Samstag, nicht nur von DJ Megawurz zu hören sein, auch Sound of Games geben ein Konzert. Die drei Hamburger Burschen seien auf dem Gebiet der Spielemusik eine Instanz. Der Abschlussabend soll laut Karner ein richtiger "Partyabend" werden. Keine Selbstverständlichkeit, immerhin ist Interpenetration seit Bestehen um die Vermittlung experimenteller und nicht selten sperriger Musik bemüht.

Heuer allerdings darf man sich auf die bislang "unterhaltsamste Ausgabe" einstellen, meint Karner. Neben Roedelius kommen auch wohlbekannte Acts wie Bulbul oder Mussurunga, ein Projekt des Performers Didi Bruckmayr. Die machen jetzt zwar auch nicht gerade Kinderfaschingsmusik, aber als Pop-Randgebiete-Abgesandte gehören sie sicher zu den verträglicheren ihrer Art.

Eine gewitzte Performance findet in den Konzertpausen am Freitag statt: Der Komponist Slobodan Kajkut wird sich mit Schlagzeug in den Fahrstuhl des Forum Stadtpark setzen - wird er gerufen, spielt er einen Beat.

Weiters zu sehen: Leo Bettinelli, Ogiermann-Palmtag oder das Soft Power Ensemble of Vienna. Auch heuer wird die Sängerin Irina Karamarkovic kochen, mit Bauchläden präsentieren sich heimische Labels wie Rock Is Hell, God Records oder Interstellar Records.

Forum Stadtpark, Graz, Do (11.12.), Sa


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