Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Stück

Kolumnen | Heidi List | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Bitte, ich war heute bei einem Sexspiel dabei. In der U-Bahn stand vor mir eine Dame Mitte 30 in höchsthackigen Schuhen, in Netzstrümpfen bis zum sichtbaren Popschansatz und rotem Lederminirock, das Ganze bei Temperaturen um null Grad. Weißer Kunstpelz. Lange Haare, bei genauem Hinsehen schlechte Perücke. Sie sah spektakulär aus. Hinter ihr stand ein kleiner Aktentaschenmann. Er rückte immer näher und sagte so Dinge wie "Oh, gnädige Frau" oder "Sie san so schön". Sie drehte sich nicht um und starrte vor sich hin. Einmal schleuderte sie ihr Haar nach hinten, ihm volle ins Gesicht. Er rief: "Oh, meine Dame, das tat weh!", und sie sagte: "Gusch!" Da raunten ein paar Mitpassagiere "Nananana" und so was. Da kniete er sich nieder und leckte ihr von der Ferse weg das Bein hinauf. Sie drehte sich langsam um und sagte: "Schleich dich." Da schwante mir: It's a game!

Sie stiegen dann aus, und er lief hinter ihr her: "I pock di, i pock di!" Und sie antwortete: "Hihi, oarg, gö, oarg, gö?"

Man kann in ihrem Theaterstück noch an den Dialogen feilen, aber sonst war's grandios.


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