"Es geht darum, wie wir die Welt retten"

Schauspielerin Birgit Stöger über die Nestroy-"Verlosung", ihre Arbeit mit Yael Ronen und das Ich auf der Bühne

Steiermark | Interview: Hermann Götz | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014


Foto: J.J. Kucek

Foto: J.J. Kucek

Schon als Jungschauspielerin galt Birgit Stöger als eine gefragte Künstlerin. Am Düsseldorfer Schauspielhaus war sie in Produktionen zu sehen, die Theatergeschichte schrieben, darunter legendäre Regiearbeiten von Jürgen Gosch oder die Uraufführung von Igor Bauersimas „norway.toda“. Nach Stationen in Zürich, Hamburg und Berlin ist die in Graz ausgebildete Schauspielerin ans hiesige Schauspielhaus zurückgekehrt – und zu ihrer ehemaligen Düsseldorfer Intendantin Anna Badora. Neben zahlreichen großen Rollen gab sie hier auch das Solo „Eine unverheiratete Frau. Oder wie weit kommt man letztlich mit der Liebe?“ (Regie: Ed Hauswirth), in dem das Leben einer alleinerziehenden Schauspielerin zum Thema gemacht wird.

Zuletzt beeindruckte Birgit Stöger in „Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab (Regie: Simone Blattner). Eines ist gewiss: Wer diese Darstellerin einmal auf der Bühne erlebt hat, wird sie sich merken: die Stimme, das Gesicht, den ganz eigenen Zugriff auf das, was wir interessanterweise „spielen“ nennen. Dabei ist Stögers Spiel keineswegs immer dasselbe. Am eindrucksvollsten war es bisher in der Zusammenarbeit mit der israelischen Regisseurin Yael Ronen, die nun ihre inzwischen dritte Grazer Arbeit vorlegt. Schon bei „Hakoah Wien“, der Nestroy-prämierten Stückentwicklung zu Generationskonflikten und Identitätskonstruktionen zwischen Israel und Österreich, war Stöger an Bord. In der Folgeproduktion „Niemandsland“ gab sie die vom Trauma des Jugoslawienkrieges heimgesuchte Kammerjägerin Azra. Nachdem „Niemandsland“ zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen war, bezeichnete der Kritiker André Mumot Stögers Interpretation als „für sich genommen das vielleicht größte Einzelerlebnis“ des Festivals, zu Hause in Österreich wurde sie für den Nestroypreis nominiert. Der Falter hat Birgit Stöger nun während der Proben zum dritten Ronen-Stück getroffen: „Community“ wird am 20. Dezember uraufgeführt.


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