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Das schlechte Gewissen eines Pitbulls: "The Drop"

Lexikon | Vanessa Scharrer | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Michaël Roskams neuer Film "The Drop" stellt einen mehrdeutigen Charakter namens Bob ins Zentrum, gespielt von Tom Hardy. Er ist Barkeeper in der Bar seines Cousins, in der sich jede Menge übles Gesindel herumtreibt. Der gottesfürchtige Bob wirkt hier total deplatziert. Es scheint, als hätten alle Protagonisten hier Leichen im Keller; sie sind in Geldwäschegeschäfte verwickelt, wie die tschetschenischen Barbesitzer, begehen Morde oder lassen sich auf Drogenmissbrauch ein. Alle bis auf Bob, der sich mit seiner Meinung über die Zustände jedoch zurückhält und oft so tut, als würde er nichts sehen. Er gleicht dem jungen Pitbull, den er in einer Mülltonne findet: hat Potenzial zum Kampfhund, ist so weit aber noch ziemlich unschuldig.

Das ändert sich, als Bob sich gezwungen sieht, einen unangenehmen Zeitgenossen zu erschießen. Schlichtweg enttäuschend ist die Rechtfertigung dafür: Wir seien alle Sünder und jeder habe Dreck am Stecken. Leider ist das in diesem Fall nicht ironisch gemeint, sondern kommt als hochpathetisches Schlusswort aus dem Off. Schade, dass der Film sich offensichtlich nicht traut, Bob in seinem moralischen Dilemma stecken zu lassen.

Bereits in den Kinos


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